Rabatt-Schlacht

Handel unter Druck


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Hamburg. Je länger sich die Finanzkrise auf die produzierende Wirtschaft auswirkt, desto öfter taucht das böse R-Wort in den ökonomischen Prognosen auf: Rezession, also Abschwung. Für die deutschen Verbraucher bringt die Krise noch ein ganz anderes R-Wort mit sich – Rabatt!

„Fernseher minus 40 Prozent“: So leitet „Bild“ eine Titelstory über „100 Hammer-Schnäppchen“ ein. Die „Hamburger Morgenpost“ notiert: „Preise im Einzelhandel im freien Fall“ – erneut geht es dabei nicht nur um Milch oder Kaffee, sondern auch um langlebige Güter. Um Marken-Staubsauger etwa, die für den halben Preis zu haben sind. Extremes Rabatt-Beispiel auf vier Rädern: Laut „Welt“ gibt ein Renault-Händler in Berlin einen aktuellen Neuwagen 28 Prozent billiger her.

Die Autobranche leidet weltweit unter einer Absatz-Flaute. Bei uns habe aber auch das Hin und Her um die Kfz-Steuer Käufer abgeschreckt, erklärt Wolfgang Twardawa, Divison Manager Marketing beim Marktforschungsinstitut GfK. Auf etwa ein Fünftel des Listenpreises verzichten daher im Moment etliche Autohändler im Lande. Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, rät denn auch zum Kauf: „Jetzt ist der Zeitpunkt günstig – durch Zuwarten werden die Nachlässe nicht steigen.“

Verunsicherte Verbraucher

Kämpfen muss auch der klassische Modehandel, der immer mehr von Textil-Discountern sowie den eigenen Shops der Hersteller in die Zange genommen wird. Vielerorts locken Modeläden mit hohen Nachlässen, um den Absatz anzukurbeln.

Doch die Kundschaft gibt sich zögerlich: „Die Masse der Verbraucher ist von der Finanzkrise überhaupt nicht betroffen“, meint GfK-Mann Twardawa, „aber sie ist eben doch verunsichert.“

Professor Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes HWWI: „Das sehe ich genauso. Daher sind die Sonderaktionen und Rabattschlachten noch nicht am Ende.“

Straubhaar warnt sogar schon vor einer gefährlichen Eigendynamik: Wenn die Verbraucher zu lange auf immer noch niedrigere Preise warten, statt geplante Käufe zu tätigen, könne das die ganze Volkswirtschaft in Schieflage bringen.

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