Klimawandel

Gutes Wetter für ganz neue Geschäfte


Erderwärmung bietet Chancen für die Wirtschaft

Berlin. Dass es wärmer wird, weil wir die Atmosphäre aufheizen: Darüber wird bei uns kaum noch gestritten. Politik und Wirtschaft sind schon einen Schritt weiter. Im Kampf gegen den Klimawandel soll Deutschland Vorreiter sein – und unsere Industrie will damit weltweit gutes Geld verdienen.

Das Thema wird in den Chef-etagen sehr ernst genommen: „Vier von fünf Firmen sind der Ansicht, dass Klimawandel und Klimaschutz ihre Geschäftsaussichten langfristig beeinflussen werden“, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ermittelt. Und als das IW nun gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) über Antworten auf die „Herausforderung Klimawandel“ nachdachte, war der Andrang groß: 320 Fachleute informierten sich – etwa darüber, wie die Regierung jetzt „technologische Schlüsseldurchbrüche“ fördert.

Strom zwischenspeichern

Ein Beispiel: Lithium-Ionen-Batterien sollen etwa den per Windkraft gewonnenen Strom zwischenspeichern, sodass er auch bei Flaute fließen kann. 360 Millionen Euro investiert die Industrie allein in dieses Thema, weitere 60 Millionen Euro steuert das Forschungsministerium bei.

Zugleich harrt gesichertes Wissen noch der Umsetzung, wie Wolfgang Bloch betonte, Leiter Umweltpolitik bei Siemens: Viele Industriemotoren könnten sparsamer laufen –durch den Einsatz sogenannter Frequenz-Umwandler. „88 Prozent der Motoren sind heute ungeregelt“, bedauerte Bloch, „löbliche Ausnahme: die Zementindustrie.“

Über 300 solcher Ansätze zur Vermeidung von Treibhausgasen hat die Beratungsfirma McKinsey im Auftrag der BDI-Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“ untersucht. „Vieles ist schon heute wirtschaftlich machbar“, mahnte Carsten Kreklau, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, „zum Beispiel im Gebäudebereich. Es lohnt sich, diese Potenziale anzupacken.“

Und das nicht nur bei uns: „Der Export der entsprechenden Technologien, Produkte und Dienstleistungen“, so die  McKinsey-Studie, könne sich „auf Wirtschaft und Beschäftigung in Deutschland spürbar positiv auswirken“.

So kann sich Klimaschutz rechnen

Das Klima schützen und damit gutes Geld verdienen? Kein Problem! Die einfachste Methode: Energiesparen. Und dafür lassen sich unsere Firmen immer mehr einfallen. Spitzen-Ideen werden oft staatlich gefördert, etwa über das Programm „klimazwei“. Beispiele:

Chlor-Produktion

Zwei Drittel aller Chemie-Produkte benötigen Chlor zu ihrer Herstellung: Daher werden allein in Deutschland pro Jahr 4,6 Millionen Tonnen Chlor fabriziert. Und das soll schon bald mit deutlich weniger Strom klappen: 12 Projektpartner feilen an einem neuen Elektrolyse-Verfahren. „Es ist technisch machbar“, betont nun Andreas Bulan von Bayer MaterialScience, „unser Ziel ist die industrielle Realisierung ab 2010.“

Schifffahrt

Große Zugdrachen können Frachtschiffen zusätzlichen Schub geben: Diese innovative Nutzung der Windkraft soll mindestens 10 bis 20 Prozent Treibstoff sparen. Nach jahrelanger Vorarbeit ist der „SkySails“-Zusatzantrieb auf den ersten Frachtern im Pilot-Einsatz.

Über die insgesamt 39 „klimazwei“-Projekte informiert das Gratis-Heft „Forschung und Praxis für Klimaschutz und Anpassung“. Es kann per Mail an kontakt@klimazwei.de bestellt werden.

www.klimazwei.de

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Energie Umwelt

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang