Umweltschutz

Gutes CO2, schlechtes CO2


EU-Klimaschutz: Für Autos strenger als für Kohle-Kraftwerke

München. Die EU macht Ernst: Von 2012 an gelten Grenzen für die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), die ein Pkw bei der Fahrt in die Luft blasen darf. Halten die Auto-Hersteller diese Grenze nicht ein, werden die Strafzahlungen saftig (siehe Kasten). Doch das System schadet laut Experten einem effizienten Klimaschutz.

„Die Eckpunkte stellen eine riesige Herausforderung für die deutsche Automobil-Industrie dar“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der AutomobilIndustrie (VDA). Besonders betroffen: Premium-Marken wie BMW und Audi in Bayern.

„Eine krasse Ungleichbehandlung“

Zwar hat zum Beispiel BMW schon mit Erfolg daran gearbeitet, dass seine Wagen weniger Sprit schlucken (siehe Grafik). Trotzdem ist klar: Die Ingenieure sind jetzt besonders gefordert.

Werden die Vorgaben verfehlt, drohen hohe Strafen: 95 Euro für jedes überschrittene Gramm CO2 je Kilometer und Auto. „Zu hoch“, klagt Wissmann. „Eine krasse Ungleichbehandlung“. Sein Argument: Kohlekraftwerke dürfen derzeit im Vergleich das Treibhausgas zum Schnäppchenpreis in die Atmosphäre blasen.

Seit 2005 ist in der EU der Emissionsrechtehandel in Kraft. Allerdings sind nur Stromerzeuger und bestimmte Industrien betroffen. Sie müssen Zertifikate besitzen, um CO2 ausstoßen zu dürfen.

Derzeitiger Preis des Rechts, eine Tonne Treibhausgas zu emittieren: etwa 15 Euro. Die Strafzahlungen für „Auto-CO2“ betragen nach den Plänen der Europäischen Union allerdings ein Vielfaches, der VDA nennt den Faktor 24. Er fordert, die Höhe der Strafe an den Zertifikatpreis zu koppeln.

„So ist Klimaschutz ineffizient“

Kritik kommt auch aus der Wissenschaft: „Die dirigistische Regelung ist nicht nur höchst unfair, sondern sorgt zudem für einen ineffizienten Klimaschutz“, sagt Professor Wolfgang Buchholz, Umweltökonom an der Universität Regensburg. „Den Autobauern wird zu rasch und zu abrupt ein

hoher Innovationsdruck zugemutet, obwohl CO2 an anderer Stelle viel günstiger eingespart werden könnte.“

Info: CO2-Grenzwerte

Von 2012 an gilt ein CO2-Grenzwert, der sich nach dem Gewicht des Pkw richtet. Den Durchschnitt von 130 Gramm CO2 je Kilometer müssen die Auto-Hersteller bis 2015 aber nur für einen Teil ihrer Flotte erfüllen. Bis 2018 wird für jedes Gramm mehr eine Strafe fällig: erst 5, dann 15 und 25, ab dem vierten Gramm 95 Euro. Von 2019 an 95 Euro schon ab dem ersten Gramm.

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Schlagwörter: Umwelt Recht

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