Standpunkt

Gut und günstig


Warum die gängige Beschimpfung der Verbraucher fehl am Platze ist

Gehen ausgerechnet die Griechen vernünftiger mit Geld um als wir? So müssen wir wohl den Diplom-Theologen Peter Hahne verstehen, der als Kolumnist der „Bild am Sonntag“ gelegentlich den über das Volk in heiligem Zorn ergrimmten Propheten Jeremias gibt.

Okay, der griechische Staat ist bekanntlich so gut wie pleite. Doch dem griechischen Verbraucher gebühre Lobpreis: weil er einen größeren Anteil seines Einkommens für Lebensmittel verwendet – so vor einiger Zeit Hahne.

Dabei ist seit rund 150 Jahren als gesetzmäßiger Zusammenhang bekannt: Die Lebensmittel-Ausgaben verlieren mit steigendem Wohlstand an Gewicht.

Beim jüngsten Dioxin-Skandal vor ein paar Monaten traf der Fluch des falschen Propheten unsere preisbewussten Verbraucher: Da diese „alles immer billiger haben wollen“, seien sie „verlogen“, wenn sie alsdann empört sind, weil sie „zum Schleuderpreis keine Qualität“ bekommen.

Aber müssen Firmen, welche ihre Ware nur zu Tiefstpreisen loswerden, deswegen Straftaten begehen? Das ist ja wohl kein einsichtiger Zusammenhang. Eine alternative Lösung, altehrwürdig und anständig, ist der Rückzug vom Markt. Für die kriminelle Lösung ist keineswegs der  billig einkaufende Verbraucher verantwortlich.

Wir haben es hier nur mit einem Beispiel zu tun, das für die weit verbreitete Beschimpfung von preisbewussten Verbrauchern steht. Als der Generalschuldige wird „eine Gesellschaft“ vorgeführt, „die sich über das Debilen-Motto Geiz ist geil definiert“. Dabei war das nie das Motto der „Gesellschaft“. Es war bloß der Werbespruch einer Gebrauchselektronik-Kette.

Zwar mögen ein paar Konsumforscher das Gegenteil behauptet haben. Aber Leute, denen Produktqualität wirklich schnuppe ist, wenn nur der Preis stimmt, hat es nie gegeben. Nicht von ungefähr bewerben Supermärkte ihre Eigenbilligmarken mit Attributen wie „gut und günstig“. Beides eben.

Aus marktliberaler Sicht spricht nichts, aber auch gar nichts gegen niedrige Preise. „Billig“ ist nur ein Ausdruck dafür, dass der Wettbewerb den Wohlstand der Bürger mehrt. Und gegen kriminelle Machenschaften hilft nicht „teurer“, sondern die Polizei. Je mehr wir überteuerte Angebote liegen lassen, je weniger wir uns mit manchmal bloß aufgesetzten Marken­na­men und „Premium“-Preisen übern Tisch ziehen lassen, desto besser für uns alle.

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