Unternehmen

Gut gerüstet


Klein Umformtechnik: Mit neuen Prozessen fit für die zukunft gemacht

Das Werkzeug hat viel drauf – nicht nur weil es 28 Tonnen wiegt. Mit geübten Handgriffen bugsieren Johannes Diener und Milovan Roncevic den an Kran-Ketten hängenden Koloss an seinen Einsatzort: eine Großpresse mit 1.250 Tonnen Pressdruck.

Dann hieven sie das Werkzeug auf einen Wechselwagen, danach geht es ab in die Presse. Die hat vorhin noch Rahmenseitenteile für Autositze ausgespuckt, mit dem neuen Werkzeug soll sie jetzt Formteile speziell für Stahlwerke pressen. Schneller Werkzeugwechsel. Für die Kollegen in der Werkhalle der Klein Umformtechnik GmbH im siegerländischen Netphen-Deuz ist das tägliche Routine.

Kostenersparnis trotz Neu-Einstellungen

Auf die trotzdem peinlich genau geachtet wird. Denn: Gerade hat der Spezialist für Blechumformung die Umrüstprozesse einer Neu-Organisation unterzogen. „Alles läuft jetzt über ein rechnergestütztes System, für das eigens eine Datenbank erstellt wurde“, so Geschäftsführer Uwe Bittner. Das Ergebnis: höhere Effizienz, damit Zeit- und Geldersparnis. Denn die Pressen stehen nicht mehr unnötig still. „Wir sparen einen deutlichen sechsstelligen Betrag – obwohl das effizientere Umrüsten sechs Leute mehr erforderlich macht. Die haben wir auch eingestellt.“

Dass sich so viel Potenzial erschließen lässt, wird beim Blick aufs Geschäftsfeld klar: Spezialist Klein liefert anspruchsvolle Tiefzieh- und Pressteile in der spanlosen Blechbearbeitung zu. Und zwar für ganz unterschiedliche Bereiche. In der Sparte Automotive etwa für Keiper und Köhler, bei Küchengeräten für Miele, dazu für Stahlanwender wie den Kranhersteller Demag Crane and Components. Die Vielfalt der von Klein gefertigten Produkte – darunter auch komplette Baugruppen für BMW, Mercedes oder Porsche – verlangt die tagtäglichen Werkzeug-Umrüstungen.

Die Optimierung der Umrüstprozesse ist Teil eines strategischen Gesamtpakets, mit dem sich die Firma für die Zukunft fit machen will. Geschäftsführer Bittner erklärt: „Wir fahren Vollauslastung. Aber was ist in fünf Jahren? Wohin entwickeln sich die Märkte, was für Personal mit welchen Qualifikationen brauchen wir?“

„Viel Learning by Doing“

Die aufwendige Analyse der Umrüstprozesse in der Produktion hat das Unternehmen mittlerweile abgeschlossen und ausgewertet. Die Uni Siegen hat die dazugehörige Datenbank erstellt. Jetzt werden die neuen Abläufe umgesetzt. „Das verlangt nochmals viel Learning by Doing, nachdem zuvor schon alle theoretisch geschult wurden“, sagt Jens Göbel, der technische Leiter der Firma.

Ein Riesenaufwand. Doch der lohnt sich. Göbel: „Unsere Neuerungen sparen je nach Pressvorgang samt Peripherie zwei Stunden Zeit.“ An der riesigen Servopresse zum Beispiel: Die soll gleich mit 630 Tonnen Pressdruck ein Bauteil für die Kardanwelle des Audi TT formen. Drei Kollegen stehen schon bereit, haben bereits das neue Werkzeug einsatzfähig gemacht. Nun kann die Maschine zügig umgerüstet werden, nach den nötigen Tests auf volle Leistung gehen. „Für diese Presse hat unsere Analyse ergeben, dass besser drei statt zwei Mann mit anpacken“, erklärt Göbel. Das gelte auch fürs Einlegen und Fixieren der Schnellverschlüsse an beiden Seiten der Stangen. „Alles geschieht nun synchron und daher fixer.“

Es wird ernst: Die Servopresse ist klar, nimmt Fahrt auf und powert nun stündlich 900 Teile heraus, bis die georderten 25.000 Stück vorliegen. Pro Schicht fallen zwei Umrüstungen an den Pressen an, macht sechs pro Tag – alles klappt reibungslos.

Da staunen selbst die „alten Hasen“ Johannes Diener und Milovan Roncevic: „Was für ein Effekt“, sagen beide. „Und wir haben sogar noch neue Kollegen bekommen.“

Ulrike Wirtz

Info: Klein Umformtechnik GmbH

Das Unternehmen stellt anspruchsvolle Tiefzieh-, Press- und Stanzteile für Stahlanwender unterschiedlicher Bereiche her. Zudem hat sich die Firma auf die Entwicklung von Prototypen spezialisiert und verfügt über einen eigenen Werkzeugbau.

Am Stammsitz in Netphen-Deuz beschäftigt das 1954 gegründete Unternehmen 180 Mitarbeiter, dazu kommen weitere 80 Arbeitsplätze in einem Zweitwerk in Sachsen.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang