Konjunktur

„Gut aufgestellt - aber die Risiken nehmen zu“


Umfrage bei Hessens M+E-Firmen

Frankfurt. „Die hessische Metall- und Elektro-Industrie ist international gut aufgestellt, aber die Risiken für die Betriebe sind gestiegen.“ So fasst Professor Dieter Weidemann, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Hessen Metall, die Ergebnisse einer Umfrage zusammen, die der Verband bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat.

Mehr als 230.000 Menschen arbeiten in diesen Tagen in den Betrieben der hessischen Metall- und Elektro-Industrie. Getragen vom starken Export (jeder zweite Euro wird im Ausland verdient) stieg der Umsatz zu Beginn des Jahres weiter auf fast 4,9 Milliarden Euro an. Auch neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Für das laufende Jahr werden weitere Umsatzzuwächse erwartet, die zusätzliche Stellen bringen sollen.

Keine Überforderung

Weidemann: „Die Ergebnisse unserer Frühjahrsumfrage zeigen, dass die Unternehmen gut unterwegs sind. Sie zeigen aber auch, dass sie nicht überfordert werden dürfen.“

Vor allem die Dollarschwäche, gefolgt von den Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie sowie steigenden Lohn- und Lohnnebenkosten belasten die Betriebe. Auch der bereits einsetzende Fachkräftemangel wird als Wachstumsbremse betrachtet. Den Problemen will die Branche durch mehr Auslagerungen, Innovationen und Kooperationen begegnen.

Die nötige Unterstützung forderte Verbands-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender von der Politik: „Wir brauchen eine Reformpolitik, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sichert, die Abgabenlast senkt, Innovationen begünstigt und Investitionen erleichtert.“

AKTIV zeigt auf dieser Seite drei Betriebe aus Hessen, die sich für die Zukunft bestens gerüstet fühlen.

Areva: Hochspannung für die Welt

Kassel. Übertragung und Verteilung von Energie  – das ist eines der Kerngeschäfte des französischen Areva-Konzerns. Es macht ein Drittel seines Welt-Umsatzes von rund 11 Milliarden Euro aus.

Da nimmt sich das Kasseler Werk von Areva T&D mit seinen rund 300 Mitarbeitern und 80 Millionen Euro Umsatz auf den ersten Blick bescheiden aus. Aber der Schein trügt. „Wir bilden heute im Areva-Konzern das Kompetenzzentrum für die Freiluft-Leistungsschalter“, erklärt Werkleiter Wolfram von Schmieden.

Entwickelt und produziert werden in Kassel Hochspannungsschalter für die Energieversorgung. Diese Märkte zeichnen sich durch hohe Anforderungen, kleine Stückzahlen, Sonderfunktionen oder hohe Integration aus.

International anerkannt

Mehr als 3.000 solcher Schaltgeräte verlassen jährlich die Kasseler Betriebshallen und gehen zu etwa 85 Prozent in den Export.

Daneben wird hier auch die komplette Produktpalette im Bereich Leistungsschalter entwickelt und den Areva-Werken weltweit zur Verfügung gestellt.

Schwerpunkte bilden die USA, China und Indien. Grundlage dafür ist nicht zuletzt ein international anerkanntes Hochspannungsinstitut am Standort Kassel, das alle erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsprüfungen für die Schaltgeräte ermöglicht. Von Schmieden: „Der Standard, den wir hier schaffen, ist für die ganze Welt gültig.“

ixetic: Technik rund ums Auto

Bad Homburg. Spätestens die Debatte um den Biosprit hat es gezeigt: Die Automobil-Industrie steht vor großen Herausforderungen.

Der Kunde erwartet immer bessere Fahrzeuge, vor allem bei Sicherheit und Komfort. Andererseits dürfen die Fortschritte aber nicht mit immer mehr Verbrauch verbunden sein. „Technologie schlägt Technologie. Das ist der einzige Weg aus dieser Falle“, ist Georg Wolf , Geschäftsführer der ixetic GmbH in Bad Homburg, überzeugt.

Er hat das Unternehmen klar aufgestellt. Es gilt mit 1.200 Mitarbeitern als einer der weltweit führenden Hersteller von Hydraulik- und Vakuumpumpen sowie Klimakompressoren für die Auto-Industrie. Es ist international ausgerichtet.

Ein Innovationssprung in der Klimatechnologie steht bevor. Ab 2011 darf als neues Kältemittel für Kompressoren nur noch Kohlendioxid verwendet werden. Hier gilt ixetic als Technologieführer.

Neue Ideen kommen vor allem aus Bad Homburg, Sitz des ixetic-Entwicklungszentrums. „Hier ist das für Hochtechnologie und Hochpräzision erforderliche Know-how“, so Wolf. Allein 2008 sollen rund 30 Millionen Euro in den Standort investiert werden.

Isabellenhütte:  Die Kleine unter Großen

Dillenburg. Die Isabellenhütte ist das älteste hessische Industrie-Unternehmen. Geschäftsführer Peter Müller: „Wir haben uns in den über 500 Jahren unseres Bestehens von einer Kupferhütte zu einem Hightech-Unternehmen entwickelt. Heute sind wir einer der weltweit führenden Hersteller metallurgischer und elektrischer Hochleistungsprodukte für die Strom- und Temperaturmessung sowie niederohmiger Präzisionswiderstände.“

Diese werden unter anderem in der Auto-Industrie, aber auch zunehmend in der Konsumelektronik gebraucht.

Seit 1999 hat sich die Mitarbeiterzahl auf über 500 verdoppelt. Einziger Produktionsstandort ist nach wie vor Dillenburg. Und das soll auch so bleiben.

Von hier aus werden die globalen Märkte beliefert – mit wachsendem Erfolg. „Als Kleiner unter Großen – das geht nur mit eigenständigem Leistungsprofil. Sonst wird man gefrühstückt“, ist Müller überzeugt.

Vier Faktoren machen den Erfolg aus: Technologieführerschaft, Innovationskraft, hohe Qualität und die Nähe zum Kunden. Und das klappt auch von Dillenburg aus.

Müller: „Wir versuchen im Technologiebereich Kompetenzen aufzubauen, die andere nicht haben.  So liefern wir das, was andere nicht leisten können.“

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