Umsetzung scheitert an der Realität

Gut 100 Tage „Bündnis für nachhaltige Textilien“: Warum Firmen die Mitgliedschaft scheuen

Vor Ort: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (rechts) besuchte im Oktober einen Textil-Zulieferer in China. Foto: Bundesregierung/Kugler

Berlin. Das Vorhaben ist ehrgeizig: In der weltweiten Produktions- und Handelskette der Textilbranche sollen die Beschäftigten gerechte Löhne bekommen, Schadstoffe verbannt und die Sicherheit am Arbeitsplatz garantiert werden.

Diese Ziele müssen Unternehmen langfristig einhalten, wenn sie dem im Oktober initiierten Textilbündnis von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beitreten.

„Die Ziele sind unbestritten“, sagt Hartmut Spiesecke vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Mode-Industrie in Berlin, „doch die Umsetzung scheitert an der Realität.“ Die Firmen wollten sich nicht zu etwas verpflichten, das sie nicht einhalten können.

Beispiel chemische Zusatzstoffe: Viele sollen bis 2020 verschwinden. Folge: Kugelsichere Westen, etwa für die Polizei, hätten bei Nässe eine geringere Schutzwirkung. „Ersatzstoffe gibt es bisher nicht. Ob es sie zukünftig gibt, wissen wir nicht“, so Spiesecke. Bedenken hat auch Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbands German Fashion in Köln. Ein mittelständisches Unternehmen aus Deutschland könne seine Zulieferer nicht vollständig überwachen.

„An der Herstellung und Lieferung eines Herrenhemdes sind 140 Firmen beteiligt. Vollständige Transparenz ist da zurzeit kaum möglich“, so Rasch. Viele Betriebe sehen das genauso. Deshalb stehen auf der 60 Mitglieder starken Liste des Bündnisses mehr gemeinnützige Organisationen als Unternehmen.

Auch die beiden Mode-Verbände sind nicht dabei. Sie wollen mit einer Informationskampagne unterstützen.

Spiesecke: „Wir werden Unternehmen über CSR – also über die soziale Verantwortung der Betriebe – informieren und ihnen Handlungsmöglichkeiten dafür aufzeigen.“


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