Branchen-Leistungsschau

Gummi macht große Sprünge


Viel Zuversicht auf der Leistungsschau der Kautschuk-Industrie

Nürnberg. Während der eine Ball hoppelt, entfleucht der andere mit einem gewaltigen Satz vom Messestand der Freudenberg Forschungsdienste. Sie sehen identisch aus – warum der Unterschied? Lachend klärt Marketing-Managerin Katharina Müller die Besucher auf: „Die Elastizität des Materials ist unterschiedlich.“

Hier, in Halle 12 auf dem Nürnberger Messegelände, dient das der Belustigung. Bei Freudenberg ist es alltägliche Arbeit: Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Polymer-Werkstoffe.

Da geht es um „Gauß-Verteilung“, um „verdrillte“ und „entspannte“ Kettenmoleküle. Seit über 70 Jahren tüfteln die mittlerweile 225 Wissenschaftler und Ingenieure der Freudenberg Forschungsdienste in Weinheim (Baden-Württemberg) für ihre und andere Firmen: „Etwa an neuen Materialien und an verbesserter Verarbeitung“, so Müller. Der Andrang am Stand spricht für den Ruf der Firma.

Kundengespräche am laufenden Band

Überhaupt: Die Kautschuk-Branche boomt, das wird hier, in der Ausstellungshalle der Deutschen Kautschuk-Tagung Anfang Juli, deutlich. „In der Ausstellungshalle ist kein Stand mehr frei, überall finden am laufenden Band Kundengespräche statt, die Fachvorträge im Rahmenprogramm sind gut besucht“, freut sich Boris Engelhardt, der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (wdk). Und er sagt: „Das Jahr 2011 wird von vielen in der Branche als bestes überhaupt seit Bestehen der Bundesrepublik bezeichnet.“

Engelhardt ist auch Geschäftsführer der Deutschen Kautschuk-Gesellschaft (DKG), dem Organisator dieser alle drei Jahre stattfindenden Leistungsschau. Die leichte Konjunktureintrübung sieht er eher gelassen. Eng wird es nach seiner Einschätzung aber mit den Fachkräften, sowohl im gewerblichen als auch im akademischen Bereich.

Nachwuchs zu gewinnen ist ein wichtiges Ziel des 2010 von der Branche gegründeten Netzwerks „Elastomer Cluster Germany“, das sich hier ebenfalls zeigt. Ein Highlight: der neue Bachelor-Studiengang „Technische Elastomer-Chemie“, entwickelt vom wdk und der Provadis-Hochschule.

Richtig angekommen in der Branche sind schon die Maschinenbau-Ingenieurin Heike Wittek und die Chemikerin Anna Misinus. Die beiden jungen Frauen arbeiten als wissenschaftliche Assistentinnen beim Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) in Hannover. Auf der Ausstellung präsentieren sie dessen Ausbildungsprogramm. Etwa das einjährige Weiterbildungsstudium für Kautschuk-Ingenieure und die Weiterbildungskurse für Facharbeiter.

2.000 Rezepturen auf Knopfdruck

Dass Kautschuk Perspektive hat, zeigt sich an vielen Ständen. „Die Auslastung ist sehr gut“, erzählt etwa Wladimir Jungmann, Vertriebler bei der Firma Troester, die in Hannover mit rund 560 Mitarbeitern Kautschuk-Verarbeitungsmaschinen herstellt. Und einige Stände weiter zeigt Vertriebsleiter Guido Schröder von Phoenix Compunding Technology, wie man auf der Firmen-Homepage mittlerweile rund 2.000 verschiedene Mischungen bestellen kann.

Bestimmt auch das Material für hoppelnde und springende kleine Bälle.

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