Innovationen für den Bahnverkehr

Güterzüge rollen bald leiser

München. In ihrem 185 Seiten dicken Koalitionsvertrag hat die neue Bundesregierung auch Ziele für den Lärmschutz im Bahnverkehr festgeschrieben: „Den Schienenlärm wollen wir bis 2020 deutschlandweit halbieren.“

Das kommt nicht nur der Gesundheit der Menschen zugute. Auf jährlich gut 800 Millionen Euro hat die Bundesregierung 2010 die volkswirtschaftlichen Kosten des Schienenlärms beziffert.

Ein wichtiger Baustein für mehr Ruhe auf den Gleisen sind sogenannte LL-Sohlen für Güterwagen. Die Bremsklötze aus organischen Stoffen wie Kautschuk oder Harz sind seit Mitte 2013 in ganz Europa zugelassen.

Hergestellt werden sie von Knorr-Bremse mit Hauptsitz in München, dem Weltmarktführer für Bremssysteme in Schienen- und Nutzfahrzeugen, sowie vom Konkurrenten Becorit in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen). Was LL-Sohlen bringen, erklärt Markus Seidl, Spezialist von Knorr-Bremse für Reibmaterial: „Die bisher üblichen Sohlen aus Grauguss rauen beim Bremsen die Laufflächen der Räder auf.“ Diese Räder verursachen viel Lärm, wenn sie auf den Schienen rollen. „Dagegen glätten die LL-Sohlen die Laufflächen“, sagt Seidl.

50 Prozent der Waggons sollen 2016 geräuscharm rollen

„Auf glatten Schienen verringert sich so das Abrollgeräusch um zehn Dezibel, auf die Hälfte des empfundenen Lärms.“ Der Plan der Bundesregierung: Ab 2016 dürfen laute Güterwagen maximal nur noch die Hälfte des Fahrzeugbestands ausmachen, ab 2020 sollen sie gar nicht mehr fahren.

Dank einer anderen Innovation von Knorr-Bremse sinkt auch der Lärmpegel in Bahnhöfen: Für Personenzüge, die vorwiegend im Regionalverkehr unterwegs sind, wurde ein neuer Bremsbelag entwickelt. Das Produkt mit dem englischen Namen „Flexpad Silent“ verhindert, dass Züge kurz vor dem Stehenbleiben bei langsamem Tempo quietschen.

Dünne Bleche als Schalldämpfer

„Das wird unter anderem mit einem schmierenden Zusatzstoff erreicht“, berichtet Seidl. So gleite der Belag auf der Bremsscheibe und bleibe auch bei langsamer Fahrt nicht kurzzeitig an ihr haften. Denn das Haftenbleiben ist eine Ursache für das Quietschen, da es im Zusammenspiel von Bremsbelag und -scheibe Schwingungen erzeugt.

„Zusätzlich haben wir den Flexpad Silent mit dünnen Blechen als Schalldämpfer ausgestattet“, sagt Seidl.

Die Flüsterbremse bringt zum Beispiel Regionalzüge vom Typ „Flirt“ zum Stehen. Seit kurzem ist dieses Schienenfahrzeug des Schweizer Herstellers Stadler auch auf der Strecke München–Rosenheim–Salzburg unterwegs.


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