Blickpunkt

Großer Umbau


Was Bayern für den Ausstieg aus der Kernkraft tun muss

München/Berlin. Nun ist es entschieden. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass 2022 das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet wird. Die meisten Anlagen sollen bis 2021 vom Netz gehen, nur drei Kraftwerke noch ein Jahr länger Strom produzieren. Welche Folgen hat das für die Stromversorgung in Deutschland und speziell in Bayern?

• Für die Erzeugung: Im Freistaat muss eine Leistung von mehr als 6.000 Megawatt ersetzt werden, die mit dem Abschalten der fünf bayerischen Kernkraftwerke wegfällt. Die Anlage „Isar I“ mit 900 Megawatt ist schon vom Netz gegangen.

Um die gesamte Menge auszugleichen, ist eine Reihe von Maßnahmen erforderlich. So soll unter anderem die Windkraft auf das im Vergleich zu heute etwa zehnfache Volumen ausgebaut werden, die Solarenergie auf mehr als das Doppelte. Das geht aus dem Energiekonzept hervor, das die Bayerische Staatsregierung Ende Mai beschlossen hat. Außerdem müssen neue große Gaskraftwerke gebaut werden. „Drei oder vier“, sagt Ministerpräsident Horst Seehofer.

Windkraft aus dem Norden für den Süden

Damit in ganz Deutschland relativ rasch neue Kapazitäten entstehen können, hat die Regierungskoalition in Berlin ein sogenanntes Planungsbeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht. Es soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Bau von Gas- und Kohlekraftwerken zügig genehmigt werden kann.

• Für die Netze: Um die Energiewende zu meistern, müssen auch die Stromleitungen mo­dernisiert und ausgebaut werden. Zum Beispiel, um den Süden Deutschlands mit Hochspannungsnetzen an die Windkraftwerk-Parks in der Nord- und Ostsee anzuschließen.

Laut der Deutschen Energie-Agentur sind dafür bis 2015 etwa 850 Kilometer neue „Stromautobahnen“ notwendig und danach bis 2020 weitere 3.600 Kilometer. Der Grund: Die bestehenden Netze sind zum Teil schon bis an ihre Grenzen ausgelastet.

In Bayern werden nach Planungen von Betreibern der Übertragungsnetze rund 130 Kilometer zusätzliche Hochspannungsleitungen gebraucht. Außerdem müssen die bisherigen Trassen ausgebaut werden.

Zudem sind nach einer Studie des Bundesumweltministeriums im Freistaat mehr als 40.000 Kilometer neue Mittelspannungsleitungen für die regionale Verteilung notwendig sowie über 80.000 Kilometer für örtliche Verteilnetze mit Niederspannung.

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