Leitartikel

Google macht uns stark

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Glauben Sie, was in dieser Zeitung steht? Wenn nicht: Greifen Sie zum Smartphone! Nie zuvor ließen sich von Medien, aber auch von Politikern vorgetragene Fakten und Behauptungen so leicht überprüfen. Fast jeder googelt inzwischen auch Preise, Personen, Routen, Lokalitäten. Die Suchmaschine verleiht uns im Alltag Superkräfte.

Doch in der Politik läuft eine Google-Debatte ganz anderer Art. Da sind wir plötzlich ganz klein, und aus dem kostenlosen und kinderleicht zu steuernden Info-Lieferanten wird ein Datenkrake. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel lässt prüfen, „ob Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht“; notfalls müsse „eine Entflechtung erwogen werden“. Von der EU in Brüssel sind ähnliche Töne zu vernehmen.

Schwer verständlich ist das für den Normal-User. Erlebt er doch, wie der Aldi-Kunde, nur Vorteile. Er hat zwar mitbekommen, dass er das Gratis-Googeln mit der Preisgabe seiner Klicks bezahlt – aus denen Google Nutzerprofile und besonders zielgenaue Angebote an seine Werbekunden erstellt. Aber reicht es nicht, ab und zu im Browser den Verlauf und die Cookies zu löschen?

Sicher ist es Aufgabe der Politik, genau hinzuschauen. Und zu verhindern, dass Deutschland am Ende „beherrscht wird von einer Handvoll amerikanischer Internet-Konzerne“, wie Gabriel fürchtet. Aber bitte mit Augenmaß! Laut Studie der Beratungsfirma McKinsey bewerten die Bürger den Nutzen der wichtigsten Internetdienste dreimal höher als die Risiken der Daten-Preisgabe. Der Düsseldorfer Professor Justus Haucap, einer der wichtigsten Wettbewerbsexperten im Land, sieht „im Augenblick zu viel Google-Bashing“.


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Schlagwörter: Internet Politik

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