Konjunktur

Gießereien sind in Höchstform


Experten irrten: Allen Unkenrufen zum Trotz erlebtt die Branche in Deutschland einen echten Boom.

Auch Experten können sich irren. Es ist noch gar nicht so lange her, da gaben sie für die Zukunft der Gießereien in Deutschland keinen Pfifferling mehr. Ein langsames, aber unaufhaltbares Sterben sagten sie voraus. Zu hohe Kosten, zu veraltete Maschinen, zu groß schien die Konkurrenz in Osteuropa und Asien. Ein typischer Fall von Denkste! Denn: Die Zeiten, als Kunden ihre Produkte lieber in Osteuropa oder Asien bestellten, sind vorbei. Viele kommen zurück und sorgen mit dafür, dass die Branche einen Rekord nach dem anderen aufstellt.

Hildesheim. Die deutschen Gießereien sind so gut aufgestellt wie noch nie. Bestes Beispiel ist die KSM Castings GmbH in Hildesheim. Das Kürzel KSM steht für die alte Kloth-Senking Metallgießerei, die 1947 gegründet wurde. 

Gegossene Bauteile werden hier  hergestellt. Sie gehen an die Automobilindustrie. „Fürs komplette Fahrwerk“, sagt Thomas Zeuner, einer von fünf Geschäftsführern. „Außerdem aber auch für Motoren, Lenkungen, Getriebe oder Elektronikgehäuse.“

Die Hildesheimer helfen, dass Autos immer umweltfreundlicher werden. „Unsere Teile sind um ein Drittel leichter als vergleichbare aus Stahl“, erklärt Zeuner. Weniger Gewicht bedeutet weniger Benzinverbrauch und somit weniger Umweltverschmutzung. Und das ist das Ziel der Autoindustrie.

„Leichtmetall nimmt im Auto pro Jahr um 4 Prozent zu“, macht der Geschäftsführer deutlich. „Vieles, was früher aus Eisen oder Stahl hergestellt wurde, ist heute aus Aluminium gemacht.“

Technologie entscheidet

Die Stückzahlen, die das Werk verlassen, sind riesig: Rund 17 Millionen Gussteile, insgesamt aus 60.000 Tonnen Aluminium pro Jahr, werden in Hildesheim verarbeitet.

„Was uns von vielen anderen unterscheidet“, so Zeuner, „ist der technologisch hochwertige, maßgeschneiderte Guss, der von der ersten Entwicklungsphase bis über die gesamte Produktionskette zusammen mit unserem Kunden erarbeitet wird.“

Das Beispiel KSM Castings zeigt auch sehr deutlich: Nicht die Tonnage ist entscheidend, sondern die Technologie. Kurzum: Masse dank Klasse!

Gerade in Hightech-Anlagen haben deutsche Gießereien in den letzten Jahren kontinuierlich investiert. Auch KSM Castings: Im gerade vergangenen Jahr sind die Produktionsanlagen in der KSM Castings Gruppe für rund 24 Millionen modernisiert worden. So gibt es zum Beispiel neue Druckgussmaschinen. Sie lassen mit einer Schließkraft von 2.700 Tonnen aus 700 Grad heißem, flüssigem Aluminium die silberglänzenden Fahrwerkteile entstehen, anschließend erfolgt die Röntgenuntersuchung vom Roboter.

Bis Ende 2009 soll die Zahl der hochmodernen Gießanlagen auf neun erhöht werden. Beste Voraussetzungen, um kräftig zu wachsen: Auch der Umsatz, so planen die Hildesheimer, wird in den nächsten Jahren innerhalb der KSM Castings Gruppe von 350 Millionen  auf 450 Millionen  Euro wachsen. Eine solche Erfolgsstory hätten Experten vor wenigen Jahren noch für ausgeschlossen gehalten.

Ein neuer Ofen wird zum Stolz

Harz Guss Zorge: Kupolofen schafft doppelte Kapazität

Auch die Harz Guss Zorge freut sich über gute Geschäfte. Von Standortsorgen will in Zorge niemand etwas wissen. Im Gegenteil: Das Unternehmen setzt auf die Zukunft.

Als Beweis zeigen die Mitarbeiter voller Stolz auf ihre neue Errungenschaft:

Ein Heißwind-Kupolofen, 9 Millionen Euro teuer, Hightech vom Feinsten. So viel hat das Unternehmen vorher noch nie auf einen Schlag investiert. 15.5000 Tonnen Eisen bringt die Neuanschaffung pro Jahr zum Glühen. „Wir haben unsere Kapazität verdoppelt“, sagt Andreas Glaßmeyer, der Leiter des Werkdienstes. 

Gießereien: Anlagen laufen rund

Einige Betriebe haben Aufträge bis 2013

Hannover. Es brummt in Deutschlands Gießereien. Die Anlagen laufen rund um die Uhr. Auf  96  Prozent hat sich die Kapazitätsauslastung 2007 erhöht. Einige Unternehmen haben Aufträge bis zum Jahr 2013 in den Büchern.

Der Grund: Die Globalisierung mit dem weltweit wachsenden Bedarf an Maschinen aller Art, in denen fast ohne Einschränkung gegossene Teile vorkommen, lassen die Nachfrage und die Bedeutung kontinuierlich wachsen. Und es gibt immer mehr Einsatzgebiete.

Gießereien sind mittelständisch strukturiert. 85 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter, lediglich 5 Prozent haben mehr als 500 Beschäftigte.

Nummer eins in Europa

Die insgesamt 80.000 Mitarbeiter fertigten 2006 insgesamt 5,5 Millionen Tonnen Gusskomponenten für rund 12 Milliarden Euro.

Deutschland ist der größte Produzent in Europa und nach den USA, China, den GUS-Staaten, Japan und Indien der sechsgrößte der Welt.

Doch die Größe allein ist nicht entscheidend: Die Gießer  sind  Zulieferer  für viele andere Industrien und haben deshalb eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Ob im Auto-, Maschinenbau oder in der Luft- und Raumfahrt – Gussteile kommen überall zum Einsatz.

Und auch für die Gießer gilt: Nur Hightech-Produkte in Top-Qualität sorgen weltweit für Abnehmer und sichern Arbeitsplätze. 

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Infrastruktur

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang