Standpunkt

Gewinn und Arbeitsplätze

Manchmal ist Wirtschaft ganz einfach

Zu den „Standard-Argumenten von Arbeitgebern“, so ist im Mitgliederblatt der IG Metall zu lesen, gehöre „seit über 30 Jahren“ dieser Satz: „Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen.“ Damit solle, hoffentlich vergeblich, den Arbeitnehmern „Lohnzurückhaltung“ gepredigt werden.

Nicht von ungefähr verschweigt die Gewerkschaft, wer den Satz gesagt hat. Es war der damalige SPD-Kanzler Helmut Schmidt – der vor allem unter älteren Gewerkschaftern auch heute noch ein hohes Ansehen genießt.

Anlass der Notiz im IG-Metall-Blatt ist eine Telefonaktion von Wissenschaftlern der Fachhochschule Koblenz. Die hätten sich, heißt es weiter, gedacht: „Was so lange überzeugt behauptet wird, muss ja belegbar sein.“

Also hätten sie „wirtschaftswissenschaftliche Institute befragt, welche Studien sie kennen“, die den Zusammenhang von Gewinnen, Investitionen und Arbeitsplätzen belegen. „Ergebnis: überall Fehlanzeige“. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum Beispiel wird so zitiert: „Eine Studie, die direkt Ihr Thema betrifft, ist mir nicht bekannt.“

Keine Studie, also stimmt der Satz wohl nicht, soll sich der geneigte Leser des IG-Metall-Blatts denken. Dabei wurde nur höflich und überkorrekt auf eine dümmliche Anfrage reagiert. Die man auch so bescheiden könnte: „Benutzt euren Kopf, ihr Koblenzer Wissenschaftler! Es gibt ja auch keine Studien, die den Zusammenhang zwischen dem von der Ernte abgezweigten Saatgut und der nächsten Ernte belegen!“

Bei Gewinnen sprechen zwei starke Gründe für ihre Verwendung als Investition: Erstens erleichtern sie die Finanzierung, und zweitens sind Investitionen in dem Maße reizvoll, wie Gewinne möglich sind (und nicht von Staat oder Gewerkschaften abgeschöpft werden).

Abschließend eine kleine Studie gefällig? In der Metall- und Elektro-Industrie wuchs von 2003 bis 2007 der Ertragsanteil am Umsatz von selbst für deutsche Verhältnisse mickrigen 1,8 Prozent auf ordentliche 4,2 Prozent. Ab 2004 zogen also die Gewinne an – im Sinne Helmut Schmidts „die Gewinne von heute“. Von 2005 bis 2008 legten sodann die Investitionen um insgesamt 30 Prozent zu – „die Investitionen von morgen“.

Und was „die Arbeitsplätze von übermorgen“ angeht: Seit 2006 stieg die Beschäftigung um 250.000 Stamm- und 60.000 Zeitarbeitsplätze.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang