Tarifrunde

Gewerkschaft will hoch hinaus


Kräftige Lohnforderung und Zusatzpaket sorgen für Knackpunkte – Arbeitgeber rufen zur Mäßigung auf

Kaum sind die Neujahrsböller verhallt, da hat uns der Ernst des Lebens wieder: Die Chemie startet in die neue Tarifrunde. Nach einem guten Jahr 2007 für die Branche fordert die IG BCE 6,5 bis 7 Prozent höhere Entgelte. Und sie kündigt eine „knackige Tarifrunde“ für die 550.000 Beschäftigten in den 1.900 Unternehmen an. Die Arbeitgeber warnen dagegen vor überhöhten Erwartungen und mahnen zu einem maßvollen Abschluss.

Worum es geht – die Knackpunkte der Tarifrunde:

Die Forderung

Anders als 2007 startet die IG BCE mit einer bezifferten Forderung in die Runde. Sie will eine „reale Einkommenserhöhung“ für die Belegschaften. Sie sollen an der guten Entwicklung der Chemie beteiligt werden und einen Ausgleich für die steigenden Preise erhalten.

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) fordert dagegen „Tarif-Mäßigung“. Hauptgeschäftsführer Hans-Paul Frey: „Die Erfolge von heute dürfen nicht zu tariflichen Dauerlasten führen, die in schlechten Zeiten nicht mehr tragbar sind – vor allem für kleine und mittlere Betriebe.“ Die Arbeitskosten in der deutschen Chemie zählen schon jetzt zu den höchsten weltweit.

Die Konjunktur

Hier geht es um die Wurst. Denn von der Einschätzung der Branchenlage hängt ab, wie viel Spielraum es für den Abschluss gibt.

Das Hauptargument der Gewerkschaft heißt deshalb: Die Konjunktur ist gut, der Aufschwung robust. IG BCE-Tarifexperte Werner Bischoff: „Auch in der Chemie liegen die wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen auf einem sehr ordentlichen Niveau.“

Der BAVC hält dagegen: Noch ist die Situation gut, aber das Wachstum lässt nach. BAVC-Chef Frey: „Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich zuletzt abgeschwächt. Die Chemieproduktion wird in diesem Jahr nur um 2,5 Prozent – also langsamer – wachsen.“ Das prognostiziert auch der Verband der Chemischen Industrie in Frankfurt.

Die Luft für den Aufschwung wird dünner. Auch bundesweit: Der Sachverständigenrat sagt für die deutsche Wirtschaft noch 1,9 Prozent Wachstum voraus, das renommierte Ifo-Institut in München erwartet für 2008 gerade mal 1,8 Prozent Zuwachs. Viel Stoff für die Debatten in der Tarifrunde.

Die Ausbildung

Eine Erfolgsstory ist dagegen der Tarifvertrag für Ausbildung. Über 9.300  Plätze stellten die Firmen 2007 für Berufsstarter bereit – 9 Prozent mehr als 2003. Die IG BCE will ihn deshalb bis 2015 verlängern. Mehr Plätze sind nicht drin, warnen die Arbeitgeber.

Die Lebensarbeitszeit

Weil die Menschen immer älter werden, müssen wir in Zukunft länger arbeiten. Trotz Rente mit 67 sollen die Chemie-Beschäftigten flexibel in Ruhestand gehen können, fordert die IG BCE.

Die Betriebe benötigen aber von 2015 an mehr ältere Beschäftigte, halten die Arbeitgeber dagegen. Denn dann gibt es weniger junge Leute. Ein Umdenken bei der Gestaltung der Lebensarbeitszeit ist also angesagt.

„Es muss sehr sorgfältig ausgelotet werden, inwieweit sich ein flexibler Ruhestand per Tarifvertrag regeln lässt“, heißt es beim BAVC.

Klar: Das Geld ist das A und O der Runde. Doch das Drumherum hat es in sich. Da sind schwierige Verhandlungen angesagt.

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