Energie

Gesucht: Der Strom-Speicher


Nur so klappt die Umstellung auf die Erneuerbaren

Köln. Wie das Wetter wird, das ließ RWE, Eon & Co. früher kalt. Heute flimmert in den Leitzentralen der Stromversorger stets eine Windprognose über den Bildschirm. Vom Wind hängt ab, wie viele Kraftwerke laufen müssen, denn grüner Strom hat laut Gesetz Vorrang.

Wenn der Wind kräftig bläst, pusten unsere knapp 22.000 Windanlagen schon so viel Strom ins Netz wie die 17 Atomkraftwerke. Viele große Kraftwerke laufen dann auf Standby – und müssen bei der nächsten Flaute wieder ran, damit Betriebe und Haushalte genug Saft erhalten.

Das ist das Problem: Windenergie fällt unregelmäßig und oft zur falschen Zeit an. Eggert Voscherau, Präsident des Chemie-Arbeitgeberverbands BAVC und früherer BASF-Manager: „Mit Wind und Sonne allein kann unsere Industrie nicht laufen.“

Umweltschutz gegen Klimaschutz

Will man Windkraft voll nutzen, dann sind mehr Speicher nötig, um den Strom von windreichen Tagen in FlauteZeiten hinüberzuretten.

Derzeit gibt es nur rund 40 Gigawattstunden Speicherkapazität – im Wesentlichen in Pumpspeicher-Kraftwerken an Stauseen. „Das sind bei steifer Brise theoretisch zwei Stunden Windstrom“, erklärt Martin Kleimaier, Leiter der Task Force Energiespeicher beim Elektrotechnik-Verband VDE. „Bei einem Ökostrom-Anteil von 65 Prozent, wie ihn die Regierung für 2040 anstrebt, bräuchte Deutschland mehrere 1.000 Gigawattstunden.“

AKTIV erklärt, wie das Problem gelöst werden könnte. Vier Wege bieten sich an.

Mit Batterien

Stromversorger etwa in Japan nutzen schon Riesen-Batterien mit 50 Megawattstunden Speicherkapazität – einer zwanzigstel Gigawattstunde. Sie eignen sich eher für kurzfristige Zwecke. „Und noch sind die meisten Typen zu teuer“, sagt Kleimaier.

Eine Alternative wären viele kleine, starke Akkus fürs Elektro-Auto, an denen die Forscher derzeit tüfteln: „Mit raffinierter Netzwerk-Technik wäre es denkbar“, so Kleimaier, „eine Flotte von vielleicht einer Million E-Mobilen als kurzfristigen dezentralen Speicher für Windkraft einzusetzen.“

Mit Wasser

Speichern mit Wasser ist die billigste Methode. Sie braucht viel Platz – meist werden für ein Pumpspeicher-Kraftwerk zwei Staubecken gebaut, eines oben und eines unten. Bei Strom-Überangebot pumpt man das Wasser hoch; wird Energie benötigt, lässt man es durch Rohre und Turbinen hinabsausen und erzeugt Strom. Mit hohem Wirkungsgrad: 80 Prozent der Energie holt man so wieder raus.

Gut 30 Speicher gibt es schon, ein weiterer soll bis 2019 bei Bad Säckingen im Schwarzwald entstehen: Die Schluchseewerk AG, die zu 87,5 Prozent den Stromriesen RWE und EnBW gehört, will für 1 Milliarde Euro einen 13-Gigawattstunden-Speicher bauen. Projektleiter Andreas Schmidt: „Es ist unser Beitrag für mehr grünen Strom.“ Doch Klaus Stöcklin, der Chef der örtlichen Bürgerinitiative, findet das gar nicht grün:

„155 Hektar Wald sollen weichen. Das ist Naturzerstörung im Großmaßstab.“

Umweltschutz gegen Klimaschutz – das Problem hätte man nicht, wenn man für die Pumpspeicher stillgelegte Bergwerke nutzte. Übertage würde man kaum etwas sehen, sagt Mar­ko Schmidt vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen in Goslar. „Nutzt man alle geeigneten Bergwerke, kann man die Speicherkapazität immerhin verdoppeln.“

Mit Druckluft

Strom lässt sich auch als Druckluft in Hohlräumen von Salzstöcken bunkern: Ein Kompressor drückt die Luft mit 70 Bar hinein; lässt man sie durch eine Turbine wieder ab, entsteht Strom. RWE will in Staßfurt in Sachsen-Anhalt eine Demo-Anlage mit 70 Prozent Wirkungsgrad bauen.

Mit Gas

Gegen zwei, drei Wochen Flaute kommt man laut Energie-Experte Kleimaier nur an, wenn man mit überschüssigem Strom Wasserstoff oder Erdgas gewinnt – und in Hohlräumen von Salzstöcken speichert. „Damit hat man Erfahrung – es wird ja auch das normale Erdgas in großem Stil vorgehalten.“ Das künstlich erzeugte Gas könnte später verfeuert werden, Pkws antreiben oder Häuser heizen.

Noch ist vieles Zukunftsmusik. „Wir sollten schnellstens neue Verfahren testen und Speicher bauen“, fordert Kleimaier. Denn der Ausbau der Windkraft läuft rasant.

Das Problem mit der grünen Energie

Die Windkraft bleibt auf Rekordkurs. Die installierte Leistung beträgt schon 26,2 Gigawatt, mehr als die der Atomkraft. Die wird zwar nicht annähernd erreicht. Aber auch die tatsächlich produzierte Strom-Menge war im vergangenen Jahr immerhin ein Viertel so groß wie der erzeugte Strom aus Kernenergie.

Das Problem dabei ist: Der Wind-Strom kommt unregelmäßig und oft zur falschen Zeit. Wenn man ihn ohne Einschränkungen einsetzen will, muss man vorher das Problem des Strom-Speicherns lösen.

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