Standpunkt

Geschäfte mit dem Gemeinwohl

Die Leidenschaft der Politiker gilt oft nicht zuerst dem Volk

Neunzig Prozent der Politiker vermasseln dem Rest den guten Ruf.“ Das Zitat stammt vom früheren US-Außenminister Henry Kissinger  –  einem, der sich auskennt. (Dass der gebürtige Mittelfranke Heinz Alfred Kissinger Jahr für Jahr auf den Bundesliga-Aufstieg  von Greuther Fürth hofft, ist eine andere Geschichte.)

Lassen wir die 90 Prozent gleich beiseite und betrachten nur die Extraklasse. Da fällt der Blick gewiss auf jenen Minister, der im November auf fast allen Machtbesitz verzichtet hat, weil ein geliebter Mensch in Lebensnot ihm mehr bedeutet. Einem Mann, der so zu seiner Frau steht, kann man getrost ein Amt anvertrauen.

Und umgekehrt hat der leitende Vatikan-Mitarbeiter Walter Brandmüller (aus dem schwäbischen Bayern) recht, wenn er angesichts des Ehegebarens so manchen deutschen Politikers befindet: „Ein Mann, der seiner Familie die Treue nicht halten kann, kann es auch gegenüber seinem Volk nicht.“

Dieser Maßstab gilt übrigens sinngemäß nicht nur in der Politik. Ein verheirateter Konzernlenker, der sich während einer Talkshow wie ein Tanzstunden-Jüngling und zulasten auch seiner Kinder frisch vergafft, mag weiter gute Arbeit leisten. Aber vor wem wollte er, zumal angesichts harter Schnitte in seiner Firma, noch als verlässlich redliche Persönlichkeit auftreten können? Mit beruflicher Verantwortung wächst die Verantwortung für das, nun ja, „Private“.

Besagter Ex-Minister, der sich nun um seine Frau kümmert, hat sein Bundestagsmandat  behalten. Um notfalls was zu arbeiten und den Fuß noch in der Tür zu haben. Das sind vertretbare Gründe. Einerseits.

Andererseits: So was geht! Unter „Rente mit 67“ hat, nicht ohne Witz, eine linke Tageszeitung den Vorgang vermeldet: Man kann im Deutschen Bundestag für den bloßen Fall eines Falles sitzen, mit Fernwarmhaltung sozusagen. Und das gibt dieser biedere Mann bedenkenlos öffentlich preis.

Ob er je in diesen Volks-Belaber-Heftchen geblättert hat, mit denen das Bundestagspräsidium den Unmut über Diäten-Erhöhungen kontert? Wo zu lesen ist, dass unsere MdBs 25 Stunden täglich dem Volke dienen? Auch wenn die bei TV-Übertragungen aus dem Parlament oft unsichtbar sind – sie malochen dann halt justament in Ausschuss-Sitzungen ...

Politiker sind Leute wie du und ich, im besseren Fall. Ihre Gemeinwohl-Geschäftsidee liegt auf der Linie: „Erst mein Geschäft, dann das Gemeinwohl“. Wie meine und deine Geschäftsidee eben auch.


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Schlagwörter: Politik

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