Tipp der Woche

Gerüstet für den Handwerker


Erst reden, dann klempnern: Ein genauer Auftrag schafft Klarheit – für beide Seiten. Foto: fotolia

So ersparen Sie sich Streit über die Rechnung

Vorbeugen ist besser als heilen: Das gilt auch, wenn ein Handwerker ins Haus kommen soll. „Viele Konflikte über die Rechnung entstehen, weil Handwerker und Kunde vorher nicht genügend miteinander geredet haben“, weiß Irina Sowietzki, Rechtsberaterin bei der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Alle Arbeiten auflisten

Immer wieder ein Problem: eine unzureichende Leistungsbeschreibung. „Die Arbeiten sollten möglichst detailliert aufgelistet werden“, empfiehlt die Expertin. Also nicht: „Badezimmer renovieren“, sondern: „Entfernen und Entsorgung der alten Fliesen, Verlegen und Verfugen der neuen Fliesen“ – und so fort. Das schafft auch Klarheit beim Preisvergleich. Manche Angebote sind nämlich nur deshalb günstiger, weil sie bei näherem Hinsehen weniger Leistungen umfassen.

Seine Stundensätze kann jeder Handwerker im Prinzip frei bestimmen. Ist nichts vereinbart, gilt laut Sowietzki die „ortsübliche Vergütung“. Deshalb sollte man mehrere Angebote einholen, um sich einen Überblick über die regionalen Tarife zu verschaffen.

Achtung: Es ist ein Riesenunterschied, ob der Betrieb ein „Angebot“ oder einen „Kostenvoranschlag“ schickt. Angebote sind normalerweise verbindlich: Der genannte Preis muss eingehalten werden. Manche Angebote enthalten aber auch variable Positionen, beispielsweise „nach Fläche“ – das ist durchaus erlaubt.

Kostenvoranschläge sind dagegen meist unverbindlich – es kann also teurer werden! „Der Handwerker muss den Kunden aber informieren, wenn der genannte Preis wesentlich überschritten wird.“ Eine Faustregel: Mehr als 15 Prozent Abweichung nach oben sollte man nicht einfach schlucken.

Übrigens: Wenn in den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ (AGB) oder in der Offerte selbst nicht ausdrücklich etwas anderes steht, sind Kostenvoranschläge gratis. Grundsätzlich muss man dann nur die Zeit bezahlen, in der tatsächlich gearbeitet wurde: Ein Lehrling, der zuguckt, kostet also nichts. Der Handwerker darf auch nicht zehn Minuten Einsatz zur vollen Stunde aufrunden. „Leichtes Aufrunden ist aber möglich, wenn es dazu wirksame Klauseln im Vertrag oder in den AGB gibt“, sagt die Juristin.

Mittagspause kostet nichts

Definitiv keine Arbeitszeit ist die Mittagspause. Die Anfahrt dagegen in der Regel schon: Man sollte vorher klären, welcher Stundensatz oder welche Pauschale hier gelten soll.

Werkzeug und Geräte muss der Profi selbstredend mitbringen: Vergessen gilt nicht! ExtraFahrten dürfen nur berechnet werden, wenn „völlig unerwartet“ Spezialwerkzeug notwendig wird. Und noch ein Tipp: „Rüstzeiten“ dürfen normalerweise nicht auf der Rechnung auftauchen.

Info: Vermittlung

Bei Streitigkeiten helfen die Verbraucherzentralen (www.vzbv.de), Anwälte oder Sachverständige. Aber auch die Vermittlungsstellen der Handwerkskammern und mancher Innungen – wenn der Betrieb dort Mitglied ist. Die Handwerkskammern finden Sie im Netz: www.zdh.de

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