Standpunkt

Gerechtigkeit und Mindestlohn

Wie die Statistik zum Thema Arm und Reich missbraucht wird

Die SPD lässt sich von der Lafontaine-SED nach links drücken und fällt hinter den Reformstand der seinerzeit von ihr geführten rot-grünen Koalition zurück. Die CDU/CSU zieht mit. Und der „Spiegel“ hilft nach.

Unter der Überschrift „Der große Graben“ brachte er  unlängst eine quer über zwei Seiten gezogene Grafik: Von 1992 bis 2006 sind die Netto-Einkommen des sozial schwächsten Zehntels der Bevölkerung preisbereinigt um 13 Prozent gesunken; das oberste Zehntel der „Spitzenverdiener“ hingegen hat 31 Prozent mehr.  Zur Verkleinerung der „Gerechtigkeitslücke“ wird ein „gesetzlicher Mindestlohn in anständiger Höhe“ ausgelobt.

Was genau aber dahinter- steckt, darüber steht in der  13-seitigen Titelstory nichts. Bis zum Jahr 2000 lief es vergleichsweise unspektakulär: Die im obersten Zehntel hatten 12 Prozent mehr Wohlstand als 1992, die im untersten Zehntel 6 Prozent mehr. Woher also kommt plötzlich der „Graben“? Und was würde ein Mindestlohn helfen?

Die Antwort gibt eine Tabelle, erstellt von dem selben Fachmann, welcher dem Magazin als Gewährsmann diente: Zum untersten Zehntel gehören so gut wie keine Arbeitnehmer!

69 Prozent der Einkommen dort sind Renten, 29 Prozent andere Sozialeinkünfte. Womit sich der von der vereinigten Linken einschließlich Gewerkschaften geforderte Mindestlohn als Heilmittel bereits erledigt hat. Denn der Wohlstandsverlust in diesem Bereich ist mitnichten ein Lohnschwund. Die Geringverdiener, deren Fotos der „Spiegel“ anklagend den Konterfeis Zigarre schmauchender Bosse entgegensetzt –  sie sind nicht das Thema.

Telefonisch zum 13-Prozent-Absturz befragt, nennt der Experte zwei Gründe: Trotz Teuerung sind Renten, Wohn- und Kindergeld kaum gestiegen, und Hartz IV ist knapper als die frühere Arbeitslosenhilfe. Kein Wort von Löhnen!

Mehr noch: Nachdem Rot-Grün die Sozial- mit der Arbeitslosenhilfe zusammenlegte, entdeckten viele Menschen erstmals Ansprüche an den Sozialstaat. Eine Million Nichterwerbstätige wurden neu mit Staatsknete beglückt. Viele gründeten zu diesem Zweck einen eigenen Haushalt – und drücken nun den Schnitt im „untersten Zehntel“.

Auch im obersten Zehntel erklärt sich der Wohlstandsgewinn im Wesentlichen nicht mit der Verdienst-Entwicklung. Sondern ebenfalls mit einer rot-grünen Reform: den massiv gesenkten Steuersätzen. Wovon das unterste Zehntel nicht profitierte: Bei ihm ging das Finanzamt schon immer leer aus.


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