Arbeitnehmer-Überlassung

Gemeinsam geht es besser


Braunschweig und Göttingen: Netzwerke helfen auch in der Krise

Wendeburg. Drei Buchstaben werden zum Erfolgsmodell: KIM, die Kooperations-Initiative Maschinenbau, hat sich in der Region Braunschweig bewährt.

„Weil der Nutzen für jedes Unternehmen größer ist als der finanzielle Aufwand“, sagt Jürgen  Elstermann, Geschäftsführer der FMA Elstermann GmbH in Wendeburg, handelt es sich um eine Doppelsieg-Si­tuation („Win-win“).

Vor neun Jahren startete das Pilotprojekt: Zwölf Unternehmen, der Arbeitgeberverband und die IG Metall schlossen sich zusammen. Das Modell ist ansteckend: Inzwischen ist die KIM-Familie auf 22 gewachsen.

Abgestimmte Auslastung

Die Betriebe, die nicht in Konkurrenz zueinander stehen, stimmen dabei ihre Auslastung aufeinander ab. Das heißt: Hat ein Betrieb zeitweise einen Personalüberschuss, während in einem anderen Unternehmen Überstunden geleistet werden müssen, können beide Firmen Personal austauschen. Zurzeit macht vor allem der Gleitlagerhersteller Zollern BHW in Braunschweig davon Gebrauch.

Dafür haben die Tarifpartner eigens einen Tarifvertrag „Ar­beit­neh­mer-Überlassung“ ab­geschlossen – einmalig in Deutsch­­land.

„Der Ehrenkodex heißt: Wir jagen uns nicht gegenseitig Fachkräfte ab“, beteuert Elstermann.

Die Regeln werden eingehalten. Von 25 bis 1.000 Mitarbeiter sind die Be­triebe groß. Ihr vielfältiges Know-how macht stark beim Hereinholen von Aufträgen. Elstermann: „Einige hätten Aufträge in dem Umfang nie be­kommen, würden sie sich nicht gemeinsam bewerben.“

Zur KIM-Familie zählt auch Voith Turbo Scharfenberg in Salzgitter. Das Bahntechnik-Unternehmen  hat dank großer Nachfrage aus Fernost volle Auftragsbücher. Davon profitiert zurzeit auch der Maschinenbauer Lanico in Braunschweig – ebenfalls KIM-Mitglied. Voith Turbo lässt anspruchsvolle mechanische Bearbeitungen von Lanico ausführen.

Eine typische „Win-win-Situation“: Während die einen hochqualifizierte Leistung be­kommen, bleibt den Lanico-Arbeitern die Kurzarbeit erspart.

Wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ergab, erwei­sen sich Ar­­beitsplätze als krisensicherer, wenn Metall-Firmen, Bildungsstätten und Zulieferer eng miteinander kooperieren.

Messtechnische Zusammenarbeit

Die Vorteile eines Verbundes zeigen sich auch in Göttingen. Hier haben sich 30 Messtechnik-Unternehmen zu einer Kooperation zusammengeschlossen.

Dazu zählt die Mahr GmbH (1.450 Mitarbeiter weltweit). Sie arbeitet vor allem für die Automobil-Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt. „Um das rasante Tempo mithalten zu können, arbeiten wir eng mit anderen benachbarten Be­trieben zusammen, die in der optischen Technologie führend sind“, erklärt Mahr-Ge­schäftsführer Thomas Keidel. An der Kooperation be­teiligt  sind auch die in Göttingen ansässige Sartorius AG und Linos AG. Typische Win-win-Ge­schich­ten. Sieg für alle eben.

KIM bringt Umsatz

Die 22 mittelständischen Betriebe, die sich in Braunschweig zu KIM, der Kooperations-Initiative Maschinenbau, zu­sammenge­schlossen ha­ben, konnten im vergangenen Jahr einen Um­satz untereinander in Höhe von 6 Millionen Euro er­zielen. Seit der KIM-Gründung summieren sich die Kooperationsumsätze auf fast 17 Millionen Euro – Geld, das in der Region bleibt und Stellen sichert.

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