Urteil

Geldwäsche: Wer Gaunern als „Finanzagent“ dient, ist schnell ruiniert

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Das eigene Girokonto einem Fremden leihen und dafür 400 Euro im Monat kassieren – leicht verdientes Geld, oder? Im Gegenteil: So etwas kann schnell den persönlichen Ruin bedeuten!

Das zeigt deutlich ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). In dem Fall hatte eine Frau die Online-Zugangsdaten für ihr Konto einem Internet-Shop zur Verfügung gestellt. Der wickelte dann munter seine Geschäfte ab: „Innerhalb kurzer Zeit liefen 51.000 Euro über das Konto der Beklagten“, so der BGH. Allerdings betrieben Gauner den Shop – um zu kassieren, ohne Ware zu liefern…

„Gewerbsmäßiger Betrug“ heißt so etwas im Juristendeutsch, wer dabei hilft, macht sich „leichtfertiger Geldwäsche“ schuldig. Und daher muss die Kontoinhaberin nun allein in diesem einen Fall knapp 300 Euro für eine nicht gelieferte Kamera erstatten, außerdem Anwaltskosten und Zinsen. Denn der betrogene Käufer darf sich, wie der BGH jetzt klarmachte, auch an die Helfer der Betrüger halten: Wer Gaunern zum Beispiel mit seinem Giro als „Finanzagent“ dient, macht sich selbst schadensersatzpflichtig.

Damit aber nicht genug, wie die Polizei in einer Warnung betont (www.polizei-beratung.de). Für leichtfertige Geldwäsche droht außerdem eine Geld- und je nach Fall sogar eine Freiheitsstrafe. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht könne zudem ein Verfahren wegen unerlaubten Betreibens von Finanzdienstleistungen einleiten – und schließlich „kündigen Banken regelmäßig das Konto eines Finanzagenten“.

Man sollte also tunlichst die Finger von solchen nur auf den ersten Blick lukrativen Nebenjobs lassen. Misstrauen ist geboten, sobald diese oder ähnliche Begriffe auftauchen: Escrow Agent, Financial Agent, Finanzmanager, Finanztransaktionsmanager, Lieferungsmanager, Regional Manager für Zahlungsbearbeitung oder Treuhandagent. Und sogar mit Begriffen wie „Projektkoordinator“ oder „Prozessmanager“ haben Gauner nach Angabe der Polizei schon versucht, naive Zeitgenossen als Kontohelfer zu gewinnen.

(Bundesgerichtshof, 19.12.2012, VIII ZR 302/11)


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