Standpunkt

Geld und wirkliche Wirtschaft

Unternehmer sind keine „Kapitalisten“. Eher das Gegenteil

Auf eine Art wissen sie ja gar nicht, wie richtig sie liegen – all jene Zeitgenossen, die nun dem „Kapitalismus“ den Marsch blasen. In der gegenwärtigen Doppelkrise von Geld- und Realwirtschaft ist die Geldwirtschaft der wunde Punkt. Und nur sie kann mit Sinn „kapitalistisch“ heißen.

Zwar wurden als „Kapitalisten“ zuerst Unternehmer verunglimpft, die vor 200 Jahren zur industriellen Fertigung von Massengütern übergingen, vor allem von erschwinglicher Fertigkleidung für alle. Schon damals herrschte die wirtschaftsfremde Vorstellung von Unternehmern als Geldsäcken, die es sich leisten können, andere Leute für sich arbeiten zu lassen, um noch mehr Geld zu scheffeln.

Doch in Wirklichkeit ist es gang und gäbe, dass Unternehmen Lohnzahlungen mit kurzfristigen Krediten finanzieren. Sie pumpen sich Geld, um anderen Leuten ihren Lebensunterhalt vorstrecken zu können.

Vorstrecken? Die Leute haben ihre Arbeit doch getan, sind mit ihr sogar ihrerseits in Vorleistung getreten! So ist es – aber die Produkte müssen deshalb noch nicht fertig sein. Oder sie haben ihren Käufer noch nicht gefunden, oder dieser kann sich noch Zeit mit dem Bezahlen lassen. Unternehmer müssen viel Geld vorschießen, bevor sie zu dem Ihren kommen.

An dieser Stelle sei eine kurze Werbepause eingeschaltet: zum Lob der unternehmerischen Leistung für Arbeitnehmer. Wie gut würde der Einzelne fahren ohne Einbindung in einen zum Geldscheffeln organisierten Gesamtbetrieb von Einkauf, Herstellung und Verkauf? Könnte er allein ein Gut herstellen, für das andere Geld her­zuge­ben bereit sind? Diese anderen finden? Und beliefern?

Und damit zurück zur Sache: Betriebswirtschaftlich ist der lange Vorlauf von der Produktionsvorbereitung bis zum Zahlungseingang nur mit Krediten möglich. Eben mit dem „Kapital“ aus der Finanzwirtschaft.

Das Zusammenspiel von Geld- und Güterwirtschaft hat große Leistungen erbracht – das Standardbeispiel ist der Bau der den nordamerikanischen Kontinent erschließenden Eisenbahnen im 19. Jahrhundert.

Aber oft genug hat es bei dem Zusammenspiel auch Ärger gegeben – meist verursacht, wie auch diesmal, von der Geldwirtschaft. Und die haben seit jeher die Staaten in ihrer Obhut, schon um notfalls hemmungslos Geld drucken zu können. Die Politiker, die jetzt dem „Kapitalismus“ den Marsch blasen, sollten vor ihrer eigenen Tür kehren.


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