Strom-Engpass

Geht bald der Ofen aus?


Energiewende bedroht viele Industrie-Betriebe

Berlin. Die Stunde der Wahrheit schlägt am 14. Oktober. An diesem Tag präsentieren die Stromnetz-Betreiber die nächste Rechnung für die Energiewende: Die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren dürfte weiter steigen – was den Strom für alle teurer macht.

Dabei sind die Stromkosten vieler Betriebe bereits „gefährlich hoch“, so EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Er warnt vor einer schleichenden De-Industrialisierung Deutschlands.

Noch mehr Sorgen bereitet vielen Firmen eine andere Folge des Atomausstiegs: Wird Strom auch künftig zuverlässig fließen?

„Schon kleinste Ausfälle können in vielen Unternehmen beim heutigen Stand der Technik zu erheblichen Schäden führen“, weiß Klaus-Peter Kress vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Und es wird zu Schwierigkeiten bei der Versorgung kommen, wenn die Netze nicht sehr zügig ausgebaut werden.“

Netzausbau treibt den Preis

„Schon in diesem Winter kann es kritische Situationen geben“, warnt Stephan Kohler, der Chef der Deutschen Energie-Agentur. Nach deren Netzstudie fehlen bis zu 3.600 Kilometer Höchstspannungsleitungen, um zum Beispiel Windstrom aus dem Norden zur Industrie im Süden zu bringen. Solche Trassen, oft von örtlichen Bürgerinitiativen bekämpft, müssten noch in diesem Jahrzehnt gebaut werden.

 

BDI-Experte Kress mahnt: „Planung und Genehmigung dauern oft über zehn Jahre. Wir fordern, diesen Zeitraum auf maximal fünf Jahre zu reduzieren.“

So nötig der milliardenschwere Netzausbau auch ist: Er wird den Strompreis weiter treiben. Das aber gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit – vor allem bei energie-intensiven Branchen wie Chemie, Glas, Papier und Stahl mit fast einer Million Beschäftigten.

Effizienz schon stark gestiegen

Also Strom sparen, um die Kosten zu senken? Das ist in vielen Betrieben kaum noch möglich.

Allein seit dem Jahr 2000 hat die deutsche Industrie ihre Energie-Effizienz ja schon um fast 10 Prozent erhöht. „Da noch mehr herauszuholen, ist schwierig, zeitaufwendig – und mit extrem hohen Kosten verbunden“, betont Kress.

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