Sozialabgaben

Gehen wir zu oft zum Arzt?


Gesundheit – die große Baustelle unserer neuen Regierung

Berlin. Die Krankenkassen: Ärger ohne Ende. Für 2010 droht ein Finanzloch von 7,5 Milliarden Euro. Die neue Regierung hat für das heikle Thema gleich eine Krisen-Kommission angekündigt. Fest steht, dass der Beitrag vom Lohn entkoppelt und der Arbeitgeber-Anteil eingefroren werden soll. Damit die Gesundheitskosten nicht zum Job-Killer werden.

Schweden ticken anders

Wenn die Politiker jetzt wieder an dem komplizierten Gesundheitssystem herumdoktern, dann sollten sie  dabei auch den simplen Hinweis von Peter Oberender beachten. Der Gesundheitsprofessor von der Universität Bayreuth: „Die Schweden gehen nur zwei- bis dreimal im Jahr zum Arzt – und sie werden im Durchschnitt älter als die Deutschen.“

Die Gmünder Ersatzkasse rechnet regelmäßig alle Arztkontakte ihrer Versicherten auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland hoch. Ihr jüngster Wert, der sich auf das Jahr 2007 bezieht, lässt das Kosten-Problem in neuem Licht erscheinen: 18 Mal im Jahr konsultieren wir einen Arzt! Gmünder-Ersatzkasse-Chef Rolf-Ulrich Schlenker: „Das Niveau ist nicht nur hoch, es steigt sogar von Jahr zu Jahr.“ Pikant: Laut Zahlenlage fertigt ein Arzt bereits jetzt 38 Patienten pro Tag ab.

Tücke der Statistik

Die in Paris ansässige Industriestaaten-Organisation OECD führt eine internationale Statistik. Im Mittel liegt die Zahl der Arztbesuche pro Kopf und Jahr nur bei 6 bis 7. Den Wert für Deutschland gibt die OECD zwar mit „7,5“ an – aber mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass er gar nicht vergleichbar sei.

Der Grund: Die Datenreports unserer Kassen fassen alle Patientenkontakte eines Quartals zu einem „Behandlungsfall“ zusammen.

Natürlich sollte man die von den Krankenkassen bezahlten Vorsorge-Termine unbedingt wahrnehmen.

Aber sich bei jedem Schnupfen ins Wartezimmer setzen? Die hohe Zahl der Arztbesuche führt Oberender nicht zuletzt auf die Praxisgebühr von 10 Euro im Quartal zurück: Viele lassen sich, damit sich das Geld auch lohnt, „vom Hausarzt gleich Blanko-Überweisungen zu Fachärzten ausstellen“.

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