Textil-Industrie

Geheimer Code im Faden


Neue Waffen gegen Produktpiraten

Frankfurt am Main. So viele Aussteller wie nie zuvor – und ein neuer Besucher-Rekord: "So stark wie noch nie“ hat sich die technische Seite der Textilindustrie auf Ihrer Welt-Leitmesse Techtextil präsentiert – das vermeldet die Messe Frankfurt. „Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unwägbarkeit haben sich die Unternehmen mit innovativen Produkten und Anwendungsfeldern neue Ziele gesetzt“, sagt Messe-Chef Detlef Braun.

Und eines dieser Ziele lässt Laien und Fachleute gleichermaßen staunen: Unabhängig voneinander liefern zwei namhafte Firmen revolutionäre Waffen für den Kampf gegen Produktpiraten.

Gefälschte Ware kostet die deutsche Wirtschaft einen Umsatz von mehr als 27 Milliarden Euro pro Jahr – besonders betroffen sind Textil und Mode: Das erklärt der Nord-Ostdeutsche Branchenverband vti, der eigens eine Wanderausstellung zum Thema auf die Reise geschickt hat (www.echtgefaelscht.de).

Wie könnte man textile Fälschungen zum Beispiel eines Marken-T-Shirts ganz leicht von echter Ware unterscheiden? Ohne teure Chips oder spezielle Etiketten?

Geheimer Code im Faden

Darüber hat man sich beim Bönnigheimer Garn-Hersteller Amann den Kopf zerbrochen. Mit Erfolg, so Johannes Ibach, Leiter internationales Marketing: Er zielt mit einem kleinen Gerät auf die Stickerei an einem T-Shirt – und das getroffene Garn leuchtet hell auf. Das heißt: Die Ware ist echt! „Spezielles Licht reagiert mit einem Trägermaterial im Faden“, erklärt Ibach.

Hat nun aber ein Produktpirat für die gleiche Stickerei einen anderen Faden verwendet, leuchtet gar nichts – wie Ibach an einem genau gleich aussehenden T-Shirt demons­triert. Der Zaubertrick klappt sogar bei einem dünnen Knopfloch-Rand. „Auf jeden Faden, den wir herstellen, könnte das Verfahren angewendet werden.“

Mit dem Schnelltest nicht genug: Laut Ibach kann in dem Amann-Faden sogar eine ganze Ziffernfolge versteckt werden – und spezielle Geräte können so einen Code dann beweiskräftig auslesen.

„Textil-DNA“ im Stoff

Die Schweizer Firma Schoeller Technologies präsentiert eine ähnliche Idee. Geschäftsführer Hans Kohn hält einen „Detektor“ an einen Turnschuh, ein grünes Lämpchen am Gerät leuchtet: echt. Bei einer identisch aussehenden Fälschung: rotes Licht!

Was hat der eine Schuh im Stoff, was der andere nicht hat? Von einer „Textil-DNA“ spricht das Unternehmen – und verrät weiter nichts. Es teilt immerhin noch mit, dass sich das neue Verfahren für Chemikalien, Fasern, Textilien und Endprodukte eigne.

Was würde es denn kosten, die Sache in der Massenfertigung einzusetzen? „Weniger als einen Euro pro Laufmeter“, so Kohn.

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Schlagwörter: Textil

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