Rohstoffe

Gefragt wie noch nie: Weißes Gold


Rekord-Preis für Baumwolle macht Textil-Betrieben schwer zu schaffen

Wolfstein. Wo ein Marktführer Rohstoffe einkauft, kommen stattliche Mengen zusammen: Allein 2.800 Tonnen Baumwolle pro Jahr benötigt zum Beispiel die Firma Karl Otto Braun (KOB), die mit 750 Mitarbeitern im rheinland-pfälzischen Wolfstein elastische Binden produziert. Und diese 2.800 Tonnen, deren Verarbeitung in der eigenen Spinnerei beginnt, machen dem Betrieb seit einer Weile schwer zu schaffen – denn das „weiße Gold“ ist immer teurer geworden.

„Unser größtes Problem“

Seit Ende 2008 hat sich der Baumwoll-Preis mehr als verdoppelt. Besonders auffällig: der rasante Anstieg in den letzten Monaten.

„In voller Härte greift diese Preiserhöhung 2011“, warnt Werner Braun. Der geschäftsführende KOB-Gesellschafter ist unter anderem für den Rohstoff-Einkauf verantwortlich. Er weiß: Bleibt es bei den Rekord-Preisen, kostet das den Betrieb pro Jahr knapp 5 Millionen Euro mehr als gewohnt. Braun nimmt daher kein Blatt vor den Mund: „Die Verteuerung der Baumwollfaser ist unser größtes Problem“, sagt er. „Ich bin schon 25 Jahre im Geschäft – aber eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt.“

Zu höheren Preisen kommt es, wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot. Dafür gibt  es in diesem Fall gute Gründe, wie zwei Experten schildern: Felix Ebner vom Gesamtverband textil+mode (t+m) in Berlin und Karsten Fröse, Sachverständiger an der Bremer Baumwollbörse.

Die Nachfrage nach textilen Produkten ist demnach, Krise hin oder her, in Asien und dort vor allem in China stark gestiegen – und sie wird kaum wieder sinken. In den USA wurde weniger Baumwolle angebaut, weil andere Pflanzen den Landwirten lohnender schienen – aktuell weiten die extrem flexiblen Farmer die Anbauflächen aber wieder aus. In Indien beschränkte sogar der Staat die Ausfuhr der gefragten Fasern, um die Versorgung der eigenen Textilindustrie zu sichern.

Auf andere Rohstoffe ausweichen? Einerseits ist das oft nicht ohne weiteres möglich – andererseits steigen auch deren Preise! Das gilt nicht nur für die erdölbasierten Chemiefasern: Viskose etwa ist ebenfalls deutlich teurer geworden, wie KOB-Manager Braun beobachtet hat, der pro Jahr 800 Tonnen Zellwolle bestellt.

„Betrieb läuft mit knappen Reserven“

Mehrkosten beim Rohstoff-Einkauf kann aber selbst ein Weltmarktführer nicht mal so eben den Kunden aufs Auge drücken: „Die Preiserhöhungen, die wir brauchen, bekommen wir aus dem Stand  nicht“, betont Braun.

Ähnlich sieht es bei den Modefirmen aus: Die Diskussion darüber, ob der preissensible deutsche Verbraucher mehr für die Jeans oder das Hemd zu zahlen bereit ist, dauert ja schon eine Weile an.

Die extremen Faserpreise womöglich betrieblich verkraften zu müssen – das ist aber nur ein Teil des aktuellen Problems. Für manche Firmen ist es schwierig, überhaupt noch an Baumwolle zu kommen. „Schneidern geht der Stoff aus“, notierte die „Financial Times Deutschland“ im Dezember – die Beschaffung werde zum „Nervenkitzel“.

KOB-Manager Braun sagt dazu: „Wir beobachten starke Lieferverzögerungen, der Betrieb läuft daher mit knappen Reserven.“

Der teure Kampf an der Rohstoff-Front wird für die Textilbranche zu einem Dauerthema. „Das ist ein globales Problem, eine kurzfristige Lösung gibt es nicht“, seufzt t+m-Experte Ebner. Der Verband selbst setze sich politisch unter anderem für freieren Handel ein – also auch gegen Exportbeschränkungen in den Anbauländern.

Auf lange Sicht muss es zwar nicht bei den aktuellen Rekordpreisen bleiben. Aber KOB-Mann Braun ahnt: „Der Baumwollpreis wird wohl nicht wieder die Preisbasis erreichen, von der wir gekommen sind.“

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