Wer welche Ausbildungskosten wann von der Steuer absetzen darf

Geduld kann sich lohnen


Lektüre ohne Ende: Studieren kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld – etwa für Bücher. Foto: dpa

Berlin. Das ganze Studium nachträglich von der Steuer absetzen? Darauf hofften viele junge Leute und ihre Eltern, als der Bundesfinanzhof im Sommer 2011 einem Piloten erlaubte, seine teure Ausbildung geltend zu machen. Doch zu früh gefreut: „Inzwischen wurde das Gesetz so präzisiert, dass es die bisherige Praxis bestätigt“, sagt Anwalt und Steuerberater Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. AKTIV erklärt, was das bedeutet und wer jetzt eigentlich was absetzen kann.

Mal Sonderausgaben, mal Werbungskosten

Geschieht die Erstausbildung nicht im Rahmen eines Arbeitsvertrags, können ab 2012 maximal 6.000 Euro pro Jahr als „Sonderausgaben“ geltend gemacht werden (bis 2011 waren es 4.000 Euro). Das geht aber stets nur für das jeweilige Steuerjahr. Folge: „Wenn jemand während der Ausbildung nur ein geringes Einkommen hat und deshalb keine Steuern zahlt, verpufft der Steuervorteil.“ Gibt es aber für die erste Ausbildung einen Arbeitsvertrag, also etwa bei der Lehre oder im dualen Studium, gelten die Ausbildungskosten als „Werbungskosten“. Und die lassen sich, wenn man wenig verdient, als sogenannte vorweggenommene Werbungskosten zeitlich unbegrenzt anhäufen! „Verdient man dann nach dem Berufseinstieg richtig Geld, werden die angesammelten Kosten vom Finanzamt angerechnet – man spart also kräftig Steuern“, erklärt Deutsch. Absolviert man eine Zweitausbildung, zum Beispiel, um Meister zu werden, kann man ebenfalls alle damit verbundenen Kosten als Werbungskosten absetzen (und gegebenenfalls für die Zukunft ansammeln). Dabei ist es egal, ob man einen entsprechenden Arbeitsvertrag hat oder nicht: Entscheidend ist hier, dass das Lernen beruflich und nicht privat veranlasst ist. Es ist also offensichtlich, dass vom Finanzamt nicht alle Ausbildungen gleich behandelt werden. Deshalb hat nun ein anderer Pilot Klage gegen das frisch geänderte Gesetz eingereicht. „Voraussichtlich wird die Neuregelung jetzt verfassungsrechtlich geprüft“, sagt Deutsch, „das kann aber noch einige Jahre dauern.“

Abwarten – und Einspruch einlegen

Was können Betroffene – also alle in einer Erstausbildung ohne Vertrag – bis dahin tun? „Belege sammeln und abwarten.“ Und die Steuererklärung hinauszögern: beim Finanzamt fragen, wie lange das im Einzelfall geht. „Erkennt es die Kosten der Ausbildung nicht an, sollte man Einspruch einlegen und gleichzeitig um das ,Ruhen des Verfahrens‘ bitten“, rät Deutsch. Als Begründung sollte man auf das jetzt laufende Verfahren des zweiten Piloten hinweisen (Finanzgericht Baden-Württemberg, 10 K 4245/11). Akzeptiert das Finanzamt den Einspruch nicht, bleibt allerdings nur noch eine Klage.

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aktualisiert am 29.09.2017

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