Leitartikel

Gaucks unbequeme Wahrheit

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Die Welt ändert sich rasant – und die Rede ist hier nicht von der Benutzeroberfläche unserer Smartphones. Im Ausland lauert Ungemach – und jetzt geht es nicht ums „Dschungelcamp“. Mitten hinein in die Kuscheligkeit unserer Wohlstandsgesellschaft hat der Bundespräsident eine eindringliche Mahnung gesprochen: Deutschland muss das, was es Tag für Tag in den Betrieben erwirtschaftet, durch eine offensivere Außen- und Sicherheitspolitik vor ernsthaften Gefahren schützen.

„Wenn es in den vergangenen Jahren eine Konstante gab“, sagte Gauck kürzlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz, „so ist es die Beobachtung, dass wir die Geschwindigkeit des Wandels permanent unterschätzen.“ Er verweist auf die Chaos-Regionen in Afrika, Nahost und Osteuropa, also wenige Flugstunden jenseits der EU – und auf die neue Dimension des Terrors: „Unvermutet schnell geraten wir hinein in eine Welt, in der sich Einzelne so viel Vernichtungskraft kaufen können wie früher nur Staaten.“

Vor knapp vier Jahren führte eine im Prinzip ähnliche, aber weniger durchdacht formulierte Einlassung von Gaucks Vorvorgänger Horst Köhler zu Proteststurm und Rücktritt. Dass die Reaktionen diesmal sachlich ausfielen und etwa der Grünen-Chef Cem Özdemir den Hinweis auf Deutschlands globale Verantwortung ausdrücklich unterstützte, wirft ein Licht darauf, wie viel sich seit 2010 geändert hat.

Das Thema dürfte die Regierungszeit der Großen Koalition prägen. „Das Nachdenken über Existenzfragen“, so Gauck, „gehört in die Mitte unserer Gesellschaft. In Kirchen und Gewerkschaften, Bundeswehr, Parteien und Verbände.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang