Nachwuchs

Gala-Abend für Top-Talente


An wen die Textil- und Modebranche jetzt 3 x 50.000 Euro Starthilfe vergeben hat

Düsseldorf. Für wen er arbeitet, weiß Michael Sontag genau: „Für Frauen, die sich wohlfühlen wollen in ihren Kleidern.“ Und wie macht er das? „Ich arbeite zu 90 Prozent an der Schneiderpuppe.“ Was sich so unspektakulär anhört, ist ein Erfolgsrezept: Sontag gilt in der Szene als Shooting-Star. Und nun dürfte es für den jungen Mann mit Vollbart wohl noch schneller aufwärts gehen.

RTL-Star moderiert

Denn die ganze Branche schiebt ihn an – mit ihrem Innovationspreis in der Kategorie Modedesign.

Für die Verleihung der insgesamt drei Preise hat der Gesamtverband textil+mode unter der Federführung von Vizepräsident Rolf Königs kaum Kosten und Mühen gescheut: Das Düsseldorfer Ständehaus bietet den Rahmen für einen von RTL-Star Frauke Ludowig moderierten Gala-Abend. 500 geladene Gäste bewundern Sontags elegante Schnitte: gekonnt fallende Stoffe, helle Farben, raffinierte Faltenwürfe, ein paar verspielte Details – insgesamt ein so edler wie femininer Anblick. Und tatsächlich „sehr tragbar“, wie der Düsseldorfer Design-Professor Wilfried Korfmacher für die Jury betont.

Förderung durch bekannte Firmen

Dabei hat Sontag auch ausgefallenere Ideen, wie etwa seine Homepage zeigt (www.michaelsontag.de). Der Innovationspreis gibt ihm nun Luft nach oben: Mit 50.000 Euro ist jede der drei Auszeichnungen dotiert, zu 10.000 Euro in bar kommen Sachleistungen im Wert von 40.000 Euro.

Möglich macht das die Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Deutsche Bank sowie die Unterstützung durch namhafte Firmen aus der Branche. Zwei Dutzend sind es schon – von Ado und Digel über Falke oder Gelco bis zu WKS und Wülfing.

Gefaltete Seide begeistert die Jury: „Hochintelligent und hinreißend schön“

Wenn ein bedeutender Zeitgenosse zu überschwänglichem Lob anhebt, horcht man ganz besonders auf – und an diesem Abend geschieht genau das in der Kategorie Textildesign: Professor Heinz Mack, ein international bekannter Künstler, bezeichnet namens der Jury die preisgekrönte Idee als „hochintelligent und hinreißend schön“.

Elisabeth Holzer hat Seide gefaltet – nicht irgendwie, sondern nach dem Vorbild der japanischen Papierfalt-Technik Origami. „Aus der leichten Seide werden so kompakte Flächen, die sich auch vergrößern oder verkleinern können“, erklärt Holzer.

Erdacht hat sie sich das zu-nächst für ihre Diplomarbeit an der Berliner Kunsthochschule Weißensee. Und daher gibt es die dreidimensionalen Falt-Seiden bislang denn auch nur als per Hand hergestellte Unikate. Die werden den Gästen des Gala-Abends von maskierten Tänzern vor Augen geführt – jedes Teil in einem Bilderrahmen, wie es sich für solche Kunst-Stoffe gehört.

Wundauflage enthält Wirkstoffe: Heilkraft im Textil

Auf den ersten Blick sieht er nicht besonders aus – eher wie eine Art Staubtuch. Doch dieser Stoff, der in der Kategorie Innovative Textilien ge­winnt, hat es in sich: Er enthält Hohlfasern, in denen Heilkräfte schlummern.

Und damit hat Gregor Hohn, Mitarbeiter der Hohenstein-Institute, eine Wundauf­lage konzipiert, die aktiv zur Gesundung beiträgt.

Die Feuchtigkeit der Wunde selbst vermag zum Beispiel die eingebaute Heilkraft aus dem Textil zu lösen, wie Biologe Hohn erklärt. Für die Wirkstoffe gibt es mehrere Ansätze, etwa bakterienfressende Viren. Die Zugaben werden nur nach und nach abgegeben – das hilft nicht nur heilen, sondern spart auch Verbandswechsel.

Dass die Sache funktioniert, ist aber nur das eine – das andere der lange Weg bis zum Einsatz einer medizinischen Innovation in der täglichen Praxis. Ob die Auszeichnung das Verfahren beschleunigt? Hohn hätte nichts dagegen: „Es soll ja helfen“, sagt er über sein starkes Stöffchen.

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