Chemie am Bau

Futuristischer Neubau in Wiesbaden zeigt, wie neue Werkstoffe Ressourcen schonen


Wiesbaden. Glänzend weiß strahlt die Fassade am neuen Domizil des Arbeitgeberverbands HessenChemie in Wiesbaden. „Wie die das wohl sauber halten?“, fragt sich so mancher Besucher, der am benachbarten Bahnhof aussteigt. Die Antwort lautet: Gar nicht – denn das innovative Fassaden-Material (Plexiglas Mineral) vom Spezialchemie-Hersteller Evonik in Darmstadt verschmutzt kaum. Was sonst noch in dem Niedrigenergie-Haus steckt? Hier einige Beispiele:

Hohlkörper statt Beton. In der Regel sind Betondecken dick und schwer. Baut man Hohlkörper aus recyceltem Kunststoff in die Decke ein, verdrängen sie das energieintensive Material. Das macht die Decken um bis zu 35 Prozent leichter: „Damit ließen sich allein in Deutschland bis zu sieben Millionen Tonnen Beton und 150.000 Tonnen Stahl pro Jahr sparen“, weiß Karsten Pfeffer, Chef des hessischen Unternehmens Cobiax.

Die Wiesbadener haben das ressourcenschonende Verfahren selber entwickelt, denn rund 5 bis 7 Prozent aller weltweiten Emissionen von Kohlendioxid gehen auf das Konto der Zementherstellung.

Pfeffer: „Der CO2-Ausstoß ließe sich bundesweit um rund 600.000 Tonnen senken.“ Die Forschergemeinschaft rund um die neue Technologie wurde jetzt für den Sonderpreis „Nachhaltige Entwicklungen“ beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Der Fenster-Trick. Moderne Fenster mit Mehrfach-Verglasung können den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß von Gebäuden um bis zu 80 Prozent reduzieren. Sie bestehen aus zwei oder drei Glasscheiben, einer Gasfüllung, Abdichtungen und einem Abstandhalter.

Letzterer hat es in sich: Die Schiene (TGI-Spacer) aus Edelstahl und Kunststoff (Polypropylen) hält die Glasscheiben auf Dis­tanz. Sie verhindert außerdem, dass Wärme über den Verbund am Rand des Fensters entweicht. So verbessert sie die thermische Trennung. Entwickelt hat das Profil der Kunststoff-Spezialist Technoform in Kassel.

Sonnenkraft nutzen. Neben Wind, Wasserkraft und Biomasse ist die Fotovoltaik eine der tragenden Säulen der Energiewende. Forscher arbeiten daran, die Solarzellen noch leistungsfähiger zu machen. Die Anlagen auf dem Dach des Chemie-Hauses liefern Energie für Beleuchtung, Belüftung, Heizung und Kühlung sowie die „Betankung“ von E-Autos in der Tiefgarage.

2012 wurden bundesweit 28 Terawattstunden Solarstrom erzeugt, 5 Prozent der gesamten Stromproduktion.

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