Haustiere

Fütter mich!


Die Liebe zu Bello und Mietzi erkaltet auch in Krisenzeiten nicht. Sie schafft sogar neue Jobs

Köln. Es mag Menschen geben in Deutschland, die keine Tiere mögen. Außer, nun ja, in der Pfanne. Und es gibt Menschen wie Ursula Höhnerbach. Die 70-Jährige streift an diesem Montagvormittag durch einen Kölner Fachmarkt für Heimtierbedarf, sie schlendert durch die Gänge, versonnen fast, bis sie vor einem Regal mit Katzenbetten stehen bleibt.

Kurzes Zögern, dann landet eins der flauschigen Katzenkörbchen im Einkaufswagen. „Für Caruso, meinen Kater“, sagt Frau Höhnerbach. Der habe zwar schon fünf (!) Körbchen daheim in der Dreizimmerwohnung. „Aber egal“, sagt Frau Höhnerbach, „ich hab keine Kinder, da kriegt eben Caruso alles von mir.“

Bio-Nahrung vom Black-Angus-Rind

Man sollte Frau Höhnerbach jetzt nicht vorschnell in die Freakshow-Ecke stellen. Denn: Die Deutschen und ihre Haustiere, das ist eine sehr spezielle Liebes-Beziehung. In jedem dritten Haushalt knurrt und schnurrt, piept oder fiept es. Knapp 23 Millionen Tiere leben derzeit in deutschen Wohnstuben, Fische und Terrarien-Bewohner nicht mitgerechnet.

Und an den treuen tierischen Gesellen wird nicht gespart, mag da draußen auch noch so sehr die böse Krise toben: 3,6 Milliarden Euro gaben die Halter 2009 nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf für ihren Privatzoo aus. Ein Plus von immerhin gut 2 Prozent, gar nicht übel in einer Zeit, in der der Einzelhandel insgesamt bekanntlich ein Minus in etwa gleicher Höhe verschmerzen musste.

Dabei treibt die Liebe zu Bello und Miezi mitunter  skurrile Blüten. Die Zeiten, in denen Hunde mit einem schlichten Knochen zufrieden waren und Katzen im Hof Mäuse jagten, scheinen vielerorts vorbei. Der Vierpfoter von heute kaut lieber Bio-Nahrung vom Angus-Rind (4 Euro das Kilo), säuft statt Wasser Hundebier (12 Euro im Sixpack),  trägt Halsband aus Edel-Leder (60 Euro) und logiert auch gern mal in der Hun­depension (bis zu 100 Euro die Nacht).

Klingt doch irgendwie verdächtig nach menschlichem Konsumverhalten. „Fast alles, was es an Produkten für Menschen gibt, kommt heute auch für Tiere auf den Markt, und zwar in immer kürzeren Abständen“, bestätigt Branchen-Sprecher Detlev Nolte.

Erlebnisshopping statt Müffel-Bude

„Humanisierung“ nennen Experten die Übertragung von menschlichen Lebens- und  Verbrauchsgewohnheiten aufs heißgeliebte Haustier. Ein Trend, der sich in den Augen der Fachleute durch sinkende Geburtenraten und alternde Bevölkerung zukünftig sogar noch verstärken könnte: Das Tier werde so zusehends zum Ersatz fürs menschliche Familienmitglied.

Spinnerei? Fantasien aus dem soziologischen Elfenbeinturm? Könnte sein. Wie sehr der Markt für Heimtierbedarf aber schon heute in Bewegung geraten ist, lässt sich am besten an Torsten Toeller festmachen.

1990 eröffnete der damals 24-jährige Jungunternehmer in Erkelenz eine bescheidene Zoofachhandlung. Name der Klitsche: „Fressnapf“. Heute versorgen bundesweit 761 Fressnapf-Märkte die Kunden mit aber auch wirklich allem, was des Tierhalters Herz begehrt. Erfolgsrezept: große Märkte, Riesen-Auswahl, Discount-Preise.

Kauften Tierfreunde in der Vor-Fressnapfzeit Futter und Zubehör in nach Kaninchenstall müffelnden Lädchen, hat sich Toellers Hochglanz-Unternehmen heute längst die Marktführerschaft gesichert (siehe Grafik in Galerie). „Erlebnisshopping statt Futterbude“, lautet sein Credo.

Vorbei die Zeiten, in denen Toellers Unternehmen von der Konkurrenz als „Futter-Aldi“ verspottet wurde. Fressnapf macht heute vielmehr Positiv-Schlagzeilen. Und zwar als Job-Motor: 1.000 Stellen schaffte man im letzten Jahr, jetzt sollen nochmals rund 600 neue Jobs dazukommen. 7.600 Menschen werden dann hierzulande bei Fressnapf arbeiten.

7.600 Menschen! Alles wegen Tierfreunden wie Frau Höhnerbach aus Köln, Carusos Katzenmutter. Spätestens jetzt dürften auch Tierhasser ihre Aversionen runterschlucken. Und stattdessen jubilieren: Kaufen Sie ruhig, Frau Höhnerbach, kaufen Sie Katzenbetten für Caruso! Auch das siebte. Und achte!

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang