Was Ehepaare für die Altersversorgung beachten sollten

Für wen sich das Rentensplitting lohnt

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Berlin. Normalerweise bekommt jeder Ehepartner seine eigene Rente, die anhand der individuell erarbeiteten Rentenpunkte berechnet wird. Stirbt ein Partner, erhält der andere normalerweise eine Witwenrente. Was viele nicht wissen: Der Partner mit der höheren Rente kann dem anderen aber auch Rentenpunkte abgeben, das sogenannte Rentensplitting. Das kann in bestimmten Konstellationen dazu führen, dass insgesamt mehr Geld fließt. „Rentensplitting lohnt nur in bestimmten Fällen. Man sollte sich unbedingt beraten lassen, denn das Splitting kann nach Ablauf der Einspruchsfristen nicht mehr rückgängig gemacht werden“, erklärt Andreas Feuser von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Rentenpunkte abgeben

Und wie funktioniert das Ganze? Dazu ein vereinfachtes Beispiel: Erika und Max Mustermann sind seit 30 Jahren miteinander verheiratet. Während der Ehe hat Erika nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt, bekommt nur eine kleine Rente von 200 Euro. Max dagegen hat Rentenpunkte im Wert von 1.600 Euro erarbeitet.

Mit einem Rentensplitting müsste der Besserverdiener, also in diesem Fall der Mann, so viele Punkte abgeben, dass beide Partner gleich viele Punkte haben. Das gilt aber nur für die Punkte aus der Ehezeit. Dadurch bekämen beide Mustermanns jeweils eine eigene Rente von 900 Euro. An der Gesamtsumme würde sich folglich nichts ändern.

Frührentner

Anders sähe die Sache aus, wenn Erika regulär in Rente geht, Max dagegen vorzeitig aufhören muss, beispielsweise wegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit. Dann würde Max´ Rente ja gekürzt, seine Rentenpunkte wären also weniger als 100 Prozent wert. Die Punkte von Erika dagegen zählen zu 100 Prozent. Erhält sie über das Rentensplitting zusätzliche Punkte von ihrem Partner, sind diese Punkte ebenfalls wieder 100 Prozent wert. Folge: Die Gesamtrente für Frau und Herr Mustermann steigt.

Unfallrente

Auch wenn der Besserverdiener eine Unfallrente bekommt, kann das Splitting Sinn machen. Die Unfallrente wird nämlich auf die gesetzliche Rente angerechnet. Die entsprechenden Rentenpunkte wären bei Max also praktisch wertlos. Bei Erika dagegen zählen sie wieder zu 100 Prozent, sorgen also für mehr Rente.

Hausfrauen

Auch wenn Erika Mustermann lange Hausfrau war, sodass ihr noch Versicherungsjahre fehlen, kann das Rentensplitting lohnen. Dadurch erwirbt sie nämlich einen eigenständigen Rentenanspruch. Auch dann steigt die Gesamtrente des Paares leicht an, weil frühere Beiträge der Frau jetzt mit angerechnet werden.

Witwen und Witwer

Besonders deutlich wirkt sich das Rentensplitting beim Tod eines Partners aus. Normalerweise bekommt der überlebende Partner ja eine Witwenrente von 55 Prozent, eigenes Einkommen bis 743 Euro netto wird nicht angerechnet. Beim Rentensplitting bekommt der überlebende Partner dagegen keine zusätzliche Witwenrente. Das Splitting lohnt sich deshalb in vielen Fällen nicht.

Rentensplitting kann aber sinnvoll sein, wenn der überlebende Partner zwar nur eine kleine Rente hat, daneben aber noch ein nennenswertes Einkommen erzielt, beispielsweise durch eine gut vermietete Wohnung. Diese Einnahmen würden nach einem komplizierten Verfahren auf die Witwenrente angerechnet. Eine Splitting-Rente würde dagegen in voller Höhe weiter gezahlt. Auch wenn der Verwitwete wieder heiratet, bliebe seine Rente aus dem Rentensplitting voll erhalten, eine Witwenrente dagegen würde gestrichen. In diesen Fällen hätte der überlebende Partner mit dem Rentensplitting also mehr Geld als nach dem klassischen Verfahren.

Das Ganze klingt kompliziert und ist es auch. Doch Berufstätige haben ja noch bis zum Ende ihres Erwerbslebens Zeit, sich zu entscheiden. Voraussetzung für das Rentensplitting ist nämlich, dass beide Partner die Regelaltersgrenze erreicht haben und mindestens einer Rente bezieht.


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