Arzneimittel für Tiere

Für Hund und Katze greift Herrchen tief in die Tasche – das inspiriert die Forschung


Sina hat ein Problem: Seit sie auf der Wiese herumgetobt ist, humpelt die 54 Kilo schwere Hirtenhündin. „Bewegung bereitet ihr große Schmerzen“, sagt Besitzerin Swenja Knüttel aus Speyer. Deshalb bekommt Sina jetzt eine spezielle Arznei: „Meinen Hund würde ich nie leiden lassen“, sagt die Halterin. So denken viele Haustierbesitzer: Im vergangenen Jahr gaben sie bundesweit mehr als 350 Millionen Euro für Tierarznei aus – 3 Prozent mehr als im Vorjahr.

In Deutschland leben 31 Millionen Haustiere

In mehr als jedem dritten deutschen Haushalt gibt es mindestens ein Haustier. Insgesamt sind es rund 31 Millionen, davon 5,3 Millionen Hunde und 8,2 Millionen Katzen – ein attraktiver Markt für die Pharma-Industrie.

„In den Industriestaaten wird immer mehr Geld für Haustiere ausgegeben“, berichtet Javier Latorre, Pharma-Analyst bei Allianz Global Investors in Frankfurt. „Es gibt nicht sehr viele Anbieter für Tiermedizin und damit wenig Konkurrenz“, so der Experte.

Die größten Wettbewerber im Geschäft um die Tiergesundheit sind die US-amerikanischen Konzerne Pfizer, Merck & Co. und Eli Lilly, die französischen Unternehmen Sanofi („Merial“) und Virbac sowie der Leverkusener Bayer-Konzern und Boehringer-Ingelheim in Ingelheim.

Sie teilen sich den globalen Markt für Haus- und Nutztiere (49 zu 51 Prozent), der 2011 ein Gesamtvolumen von gut 13,5 Milliarden Euro hatte. Gerangel um Arzneimittel-Preise, wie bei der Humanmedizin, gibt es nicht: „Die Tierbesitzer zahlen aus der eigenen Tasche, da gibt es keine Erstattungsproblematik mit den Kassen“, weiß Latorre.

Behandelt werden in der Haustier-Praxis Mäuse, Hamster, Vögel, Kaninchen, Schlangen, Fische und natürlich Hunde und Katzen. Die Krankheiten der Säugetiere ähneln denen der Menschen: „Schnupfen, Durchfall, Erbrechen, aber auch Virusinfektionen oder Krebs“, zählt Christiane Pfarrer auf, Professorin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Die Tiere haben Arthrose, Linsentrübung, Herzprobleme, leiden an Verfettung und Diabetes. Bekommen sie dieselbe Arznei wie Menschen? Pfarrer: „Die Präparate und Therapien sind durchaus ähnlich, haben aber eine andere Dosierung.“ Und man muss auf den Wirkstoff aufpassen: „Kaninchen vertragen kein Penicillin, Hund und Katze kein Paracetamol“, warnt sie.

Immer mehr Tiere werden in der Hochschul-Klinik behandelt, jährlich sind es über 20.000 ambulante und 3.500 stationäre Patienten. Woran liegt’s? „Die Tiere avancieren zum Familienmitglied“, so die Tierärztin. „Manchmal ist der Hund die einzige Bezugsperson. Dann schaut keiner mehr so genau aufs Geld.“

Ähnliche Symptome wie beim Menschen

Als Folge der Nachfrage wird mehr über Tierkrankheiten geforscht. Das nützt auch den Menschen. Beispiel Epilepsie: „Der Hund ist bei dieser Krankheit dem Menschen ähnlich“, erklärt Pfarrer. So kann er als Modell dienen.

Und die Hunde-Krankheit Staupe weist ähnliche Symptome auf wie die Nervenerkrankung Multiple Sklerose. Pfarrer: „Hier nützen Erkenntnisse aus der Veterinärmedizin der Humanmedizin.“ Auch Implantate aus neuen Werkstoffen werden an Haustieren getestet.

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