Fachkräftemangel

„Für alles gibt es eine Lösung“


Mittelstand macht sich für gute Leute stark

Wetzlar/Frankfurt. „Probleme? Die sind dazu da, gelöst zu werden.“ Waldemar Wilhelm lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. „Früher hab ich oft den Meister gefragt. Heute reizt es mich, selbst eine Lösung zu finden. Ich habe gelernt, wie man das macht.“

Der Industriemechaniker arbeitet bei Carl Zeiss Sports Optics in Wetzlar. Das Unternehmen entwickelt und produziert Ferngläser, Spektive und Zielfernrohre sowie Optiken für den industriellen Bereich. 430 Beschäftigte arbeiten in Wetzlar.

Chancen für Ältere und junge Eltern

Für sie gibt es ein großes Qualifizierungsprogramm. „Ständige Weiterbildung ist bei uns ein Muss, wird durch Mitarbeitergespräche gesteuert und mündet in der systematischen Förderung des Einzelnen“, erläutert Personalchefin Anneliese Pein.

Waldemar Wilhelm begann 2000 nach dem Realschulabschluss bei Zeiss als Auszubildender. Inzwischen hat er es zum Teamkoordinator in der mechanischen Fertigung gebracht – dank intensiver Schulungen und einer Projektarbeit im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

Nur an der Maschine arbeiten war ihm „zu einseitig“. „Mich reizen Herausforderungen. Sie bringen mich persönlich weiter“, ist der Familienvater überzeugt.

Gezielte Weiterbildung ist nur ein Weg für die Industrie, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall: „Immer mehr Unternehmen setzen einen immer größeren Maßnahmen-Mix zur Bewältigung des Fachkräftemangels ein.“ Nicht nur in Großunternehmen sei das der Fall, sondern zunehmend auch in traditionell mittelständischen Firmen.

Die Vielfalt wurde auch deutlich, als das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Frankfurt über „Engpass Fachkräfte – Potenziale und Chancen für Deutschland“ informierte, auf Initiative von Hessenmetall. Sie reicht von der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher, Nachwuchsmarketing an Schulen und Unis, über berufsbegleitende Qualifizierung, bis zur Weiterbildung von Älteren, alternsgerechte Arbeitsplätze und Gesundheitsmanagement.

Zunehmend sind familienfreundliche Arbeitsbedingungen und flexiblere Arbeitszeitmodelle gefragt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So auch bei peiker acustic in Friedrichsdorf: Der Spezialist für automobile Kommunikation beschäftigt 500 Mitarbeiter. „15 Stellen sind aktuell frei, junge Eltern ebenso gefragt wie ältere Bewerber“, so Prokuristin Nicole Schwäbe.

Betrieb reserviert Kita-Plätze

Neben Gleitzeit, Home-Office und der Rückkehr in Teilzeit gibt es hier demnächst Kita-Plätze in Firmennähe.

Vera Huberti, seit 1. Mai Personalchefin, übt seit einem Jahr den täglichen Spagat zwischen Kind und Job. Sie fand für ihren Sohn einen Kita-Platz nah bei peiker.  „Wenn was ist, bin ich schnell bei ihm, das beruhigt und macht den Kopf frei.“

Nun hat peiker Geld in die Hand genommen, um für die Mitarbeiter sechs Plätze in der Kita zu reservieren. Wenn die Nachfrage im Unternehmen groß genug wird und das Pilotprojekt Anklang findet, wird darüber nachgedacht, es dauerhaft fortzusetzen. Schwäbe: „Peiker ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Hier arbeiten Menschen, nicht Human-Kapital.“

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