Sicherheit

Für alle Fälle gerüstet


Werkfeuerwehren sorgen für mehr Sicherheit

Mannheim. „Pieeeeep“ – ein lauter Signalton reißt Ulrich Neumann nachts aus dem Tiefschlaf. Sofort ist der Feuerwehrmann hellwach. Streift blitzschnell die Kleidung über, greift zur gepackten Tasche, springt in den Kommandowagen und eilt mit Blaulicht zum Einsatzort. Fünf Minuten später rücken im Werk des Pharma-Unternehmens Roche Diagnostics in Mannheim die Einsatzfahrzeuge aus.

6.900 Männer und Frauen sind wie Ulrich Neumann in baden-württembergischen Werkfeuerwehren organisiert: Sie stehen in Unternehmen, Kliniken, Forschungsinstituten, Kraftwerken und Flughäfen für den Ernstfall bereit.

Bei Roche stellt sich zum Glück heraus: Fehlalarm! Nur ein defekter Rauchmelder. „Knapp die Hälfte aller Alarmierungen sind Täuschungsalarme“, weiß Günter Zeller, Kommandant der Werkfeuerwehr. Was die Einsatzbereitschaft seiner 37-köpfigen Truppe nicht schmälert: „Es könnte immer der Ernstfall sein. Wer nicht schnell ist, hat verloren“, meint Kollege Hans-Jürgen Alberstadt.

Spezial-Ausrüstung für alle Brandfälle

Knapp 1,5 Millionen Euro jährlich lässt sich das Unternehmen die eigene Wehr in Mannheim kosten. „Die Sicherheit hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Thomas Schmid, Sprecher der Geschäftsführung. Seit 125 Jahren besteht die Werkfeuerwehr bereits und ist damit eine der ältesten in Deutschland.

Warum leistet man sich eine eigene Mannschaft? „Wir sind im Einsatzfall schnell vor Ort und haben eine spezielle Ausrüstung für unsere Anlagen“, erklärt Zeller. Wie alkoholbeständigen Löschschaum für brennbare Flüssigkeiten. Oder Löschpulver und Kohlendioxid  auf den Fahrzeugen.

Dazu kommt die Erfahrung: „Wir kennen uns auf dem Firmengelände bestens aus“, sagt der Kommandant. Denn bis auf fünf Kollegen ist die Wehr ehrenamtlich organisiert: „Unsere Leute arbeiten im Labor, in der Verwaltung, in der Logistik, in den Werkstätten. Die kennen jeden Winkel.“ Ein zeitintensiver Zusatzjob. Zeller: „Jeder hat eine Woche pro Monat Bereitschaft, rund um die Uhr.“

Die Geschäftsführung würdigte jüngst die Arbeit der Männer mit einem knallroten, fast 500.000 Euro teuren neuen Hilfeleistungs-Löschfahrzeug. Im Ernstfall rückt es als Erstes aus – beladen mit 2.000 Liter Wasser, 500 Liter Schaum, 750 Kilo Pulver und 240 Kilo Kohlendioxid. „Für jeden Brand das richtige Löschmittel“, sagt Zeller.

Einsatz in der ganzen Region

Die Brandspezialisten der Firmen genießen übrigens einen exzellenten Ruf. Und das nicht nur in Mannheim: Im Landkreis Biberach stellt zum Beispiel die Werkfeuerwehr des Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim den Gefahrenlöschzug für die gesamte Region. Auch die Löschzüge von Dow in Rheinmünster und MiRO in Karlsruhe helfen jenseits der Werkgrenzen mit.

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