Leitartikel

Fünf Jahre nach dem Banken-GAU

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Der Sarkasmus von Mackie Messer in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ – vor fünf Jahren schien er den Punkt zu treffen. Selbst gestandene mittelständische Metallfabrikanten gerieten im vertraulichen Gespräch in Rage: „Die Banken machen uns alles kaputt!“

Die Pleite der US-Großbank Lehman Brothers am 15. September 2008 brachte die Weltwirtschaft an den Abgrund: Die Banken hatten zu leichtfertig Geld verliehen, etwa an Häuslebauer, und Risiken mit immer komplizierteren Finanzprodukten kaschiert. Plötzlich geriet ein Institut nach dem anderen in Not, es drohte eine „Kreditklemme“ und damit ein Kollaps im Wirtschaftskreislauf.

Die Politik zeterte über ein „Monster mit immer weniger Bezug zur Realwirtschaft“, so der damalige Bundespräsident Horst Köhler. Aber dann zeigte sie, was sie im Notfall draufhat: Am 5. Oktober dämmte die Kanzlerin die Panik der Anleger ein („Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind“), am 14. Oktober kam die Idee der „Abwrackprämie“ auf (2 500 Euro Staatsknete für jeden Autokauf, um den Auftragseinbruch in der Wirtschaft abzufedern), und am 5. November wurde das Kurzarbeitergeld auf 18 Monate verlängert (es ging auf dem Höhepunkt der Krise an 1,4 Millionen Menschen).

Inzwischen werden die Banken besser beaufsichtigt, und sie sind wieder stabiler. Ein Glück – denn wir brauchen sie: Ohne ihren wichtigen Beitrag zur Wirtschaft, das tägliche Bewerten und Finanzieren unternehmerischer Risiken, ist Wohlstand undenkbar. Insofern haben Horst Köhler und Meckie Messer stark übertrieben.


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