Strukturwandel

Frühling in Franken


Ein Jahr nach dem AEG-Crash: Die Wirtschaftsregion Nürnberg erlebt einen kräftigen Aufschwung

Verzweifelte Gesichter, enttäuschte Mitarbeiter – vor gut einem Jahr verloren 1.750 Beschäftigte des AEG-Hausgerätewerks in Nürnberg ihre Arbeitsstelle. Die Produktion wurde ins Ausland verlagert, die Jobs waren weg. Und schon zuvor hatte das Aus für fränkische Traditionsfirmen wie Grundig oder Adtranz für negative Schlagzeilen gesorgt.

Doch gerade das Beispiel der Wirtschaftsregion um Nürnberg zeigt: In der Industrie wächst viel Neues nach – und die Bilanz ist unter dem Strich sogar positiv.

Gemeinsamkeit macht stark

Mittlerweile glänzt der Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen wieder mit Erfolgen. Die Arbeitslosigkeit lag Ende vergangenen Jahres mit nur noch 6,5 Prozent um fast ein Drittel niedriger als noch zwei Jahre zuvor (siehe Grafik). Kein bayerischer Regierungsbezirk hat sich 2007 dynamischer entwickelt.

Die Region gehört zu den wirtschaftsstärksten Räumen in Deutschland. Und: „Europäische Metropolregion“ darf sie sich nennen.

Auch wenn es ein Titel ohne finanzielle Mittel ist: Er ist wichtig.  „Nur wer international bekannt ist, kann im Wettbewerb der Standorte punkten“, sagt Roland Fleck, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg. Die in dem Verbund zusammengeschlossenen 30 Kommunen mit 3,5 Millionen Einwohnern kommen auf 100 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung im Jahr – so viel wie in ganz Ungarn.

An attraktiven Standorten siedeln sich Firmen an. Die „Metropolregion“ lässt das fränkische Selbstbewusstsein aufblühen. Mittlerweile hat auch die Hälfte der früheren AEG-Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden.

Die Region punktet mit ihrer zentralen Lage in Europa und setzt auf zukunftsträchtige Verbindungen nach Osteuropa. Außerdem hat sie weltbekannte Marken zu bieten.

Adidas und Puma wachsen mit ihren Sportartikeln. Ende 2007 beschäftigte Siemens 36.400 Mitarbeiter in der Region. Sie erwirtschafteten 77 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes (72 Milliarden Euro; Stand: 30. September 2007). Und ohne das Fraunhofer-Institut in Erlangen gäbe wahrscheinlich keinen MP3-Player (weitere Erfolgsgeschichten: siehe unten).

Investitionen und Erfindungen

Medizintechnik, Logistik, Automotive, Energie und Kommunikationstechnik – auf diese Zukunftsbranchen setzen die Franken. „Die Stimmung ist sehr gut, die Unternehmen investieren“, freut sich Wirtschaftsreferent Fleck. So macht zum Beispiel der MAN-Konzern 170 Millionen Euro für sein Werk in Nürnberg locker. Bosch investiert 280 Millionen, unter anderem in eine neue Getriebefabrik.

Bei der Zahl der Erfindungen steht die Region bundesweit an fünfter Stelle. Das liegt auch an den vielen Hochschulen und Entwicklungszentren. Die sorgen für kluge Köpfe Mit 23.000 Ingenieuren belegt die Region einen Spitzenplatz.

Erfolgsstorys

Hier brummt’s

Der Automobil-Zulieferer Bing Power Systems in Nürnberg hat seinen rund 200 Mitarbeitern gerade erst eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2010 gegeben. Seit 80 Jahren ist das Unternehmen vor Ort, fertigt vor allem Klappenstutzen und Ölspritzdüsen.

Ein Unternehmen mit Weltruf ist der Kabel-Experte Leoni, spezialisiert auf; Drähte, Kabel und Bordnetzsysteme. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Probst versichert: „Wir werden weiterhin in unsere heimischen Standorte investieren.“

Medizintechnik blüht in Erlangen. Im „Medical Valley“ arbeiten rund 250 Firmen mit etwa 70.000 Beschäftigten. Darunter Cerbomed: Das Unternehmen tüftelt aneiner Ohr-Elektrode gegen Depressionen. Chef Timo Freitag: „Mit dieser Technologie können wir auch gegen Alzheimer, Tinnitus und Bulimie vorgehen.“

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