Umwelt

Frischer Wind für den Klimaschutz


Wie die Nanotechnik uns beim Gewinnen und Sparen von Energie hilft

Markisen werden nicht mehr schmutzig, Kunststoffbrillen bekommen keine Kratzer mehr und neuartige Polituren schützen Autolack bis zu zwölf Monate lang – Nanotechnik macht vieles möglich: Winzigste Teilchen, Schichten und Strukturen verändern unser Leben.

Doch bringt der Nano-Rummel auch etwas für Umwelt und Klima? Und für die wärmer werdende Erde? „Eine Menge!“ Da ist sich Carolin Kranz, Expertin der BASF für Innovationspolitik, sicher.

„Nur mit neuen Technologien wie der Nanotechnik werden wir unsere Klimaschutzziele erreichen können“, sagt sie. Dann rechnet die Expertin vor: „Die EU will den Ausstoß der Klimagase bis 2020 um 20 Prozent senken, Deutschland sogar um bis zu 40 Prozent. Mit heutigen Techniken sind hierzulande aber höchstens 26 Prozent machbar. Die Differenz bekommen wir nur durch Innovationen in den Griff.“

Neue Technik hilft dem Klima

Zum Beispiel durch nanotechnische Produkte. Unternehmen wie BASF, Bayer oder Nanogate in Saarbrücken arbeiten daran. Denn auch, wenn es ums Energie-Gewinnen und -Sparen geht, sind die Minis echt riesig.

Beispiel Solarzellen

In Zukunft sollen hauchdünne Kunststoff-Folien die Sonnenenergie ernten. Vorteil: Die Folien lassen sich leichter und mit weniger Energieverbrauch herstellen als die heutigen Zellen. „Man kann sie zudem viel flexibler einsetzen. Denn sie sind biegsam. Und sie sind durchsichtig. Damit könnte man zum Beispiel Fenster beschichten“, so Kranz.

Beispiel Sparlampe

Nanofeine Kunststoff-Schichten sollen uns demnächst auch Licht spenden. Das Ziel der Forscher und Techniker: Sie wollen damit die Hälfte des Stroms in Licht umwandeln. Heutige Sparlampen setzen lediglich ein Viertel der elektrischen Energie in Licht um,  die  Glühlampe  sogar  nur  5 Prozent. Den größten Teil gibt sie als Wärme ab.

Beispiel Dämmung

Die nächste Generation der Dämm-Schaumstoffe soll Wärmeverluste noch besser verhindern als die von heute. Nanowinzige Poren bremsen in diesen Schäumen die Bewegung von Gasen und damit die Wärmeübertragung deutlich. Wissenschaftler und Techniker der BASF tüfteln bereits daran.

Beispiel Motorbau

Neuartige Schutzschichten für die Oberflächen von Zylindern und Kolben, Zahnrädern und Kugellagern verschleißen weniger schnell und verringern die Reibung. Michael Jung, Chef der Firma Nanogate: „Das Einsparpotenzial ist riesig. Durch die geringere Reibung lassen sich  bis zu 15 Prozent des Kraftstoffverbrauchs einsparen.“

Beispiel Leichtbau

Nano-Röhrchen aus Kohlenstoff sind sehr stabil, fest und relativ leicht. Bayer-Experte Peter Krüger: „Damit könnte man bei Autos Gewicht abspecken, Sprit sparen und so den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid senken. Für Windkraftanlagen ließen sich bei gleichem Gewicht größere Flügel herstellen und man könnte die Stromausbeute erhöhen.“

Nanotechnik bringt also auch etwas im Kampf gegen den Klimawandel. Das britische  Umweltministerium hat es jetzt für fünf Arbeitsgebiete untersucht. Die Studie ergab: Die Nano-Neuheiten haben hier ein großes Potenzial. Sie können helfen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken – kurzfristig um 2 Prozent, bis 2050 sogar um ein Fünftel. Da kann man sich die Ziele ruhig hochstecken.

Nanotechnik – ein Markt mit Zukunft

 

Nanotechnik sorgt für Wachstum: Bis 2015 soll das Geschäft mit den Nano-Neuheiten  Jahr  für  Jahr  um 10 Prozent auf weltweit 1 Billion (1.000 Milliarden) Euro wachsen. Hierzulande gibt sie schon heute 50.000 bis 100.000 Menschen Arbeit. Und die Firmen wollen weitere Beschäftigte einstellen.

Gut: Bei den Patenten steht die Bundesrepublik weltweit auf  Platz drei hinter den USA und Japan.

 

 

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