Leitartikel

Freiheit verteidigen – auch da, wo sie nervt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

In diesen dramatischen Zeiten, in denen viel vom Verteidigen der Freiheit die Rede ist, gewinnt ein provokantes Zitat neue Aktualität. Es stammt von Friedrich August von Hayek (1899–1992), Nobelpreisträger und einer der wichtigsten Ökonomen und Sozialphilosophen der neueren Zeit.

Er wusste noch nichts von Satire-Magazinen, die religiöse Gefühle verletzen, und von Demos in Dresden, auf denen fragwürdige Parolen gerufen werden, als er im Jahr 1960 formulierte: „Freiheit, die nur gewährt wird, wenn im Voraus bekannt ist, dass ihre Folgen günstig sein werden, ist nicht Freiheit.“

Hayek ahnte auch noch nichts vom Freiheitsdrang der Ukrainer, der seit einem Jahr die europäische Ordnung stört. Seine Definition von Freiheit berührt den Kern der Debatte, die jetzt zu führen ist. Denn unser Gemeinwesen ist doppelt bedroht – von brachialer Gewalt, aber auch von der filigranen Rhetorik der Gewaltversteher. Man dürfe, sagen sie, es mit der Freiheit eben nicht übertreiben …

Genau gegen ein solches Denken hat der große Liberale Hayek sein Leben lang argumentiert. Gerade die Freiheit zu verteidigen, die nervt und Probleme schafft: Das sei „wesentlich, um Raum für das Unvorhersehbare und Unvoraussagbare zu lassen“. Dahinter steckt eine demütige Erkenntnis: dass „jeder Einzelne so wenig weiß und wir selten wissen, wer von uns etwas am besten weiß“. Erst die „wettbewerblichen Bemühungen“ würden die Dinge hervorbringen, „die wir wünschen werden, wenn wir sie sehen“.

Deshalb räumte er auch der unternehmerischen Freiheit hohe Priorität ein. Sein Denken hat bis heute großen Einfluss auf unsere Wirtschaftsordnung.


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