Leitartikel

Freier Handel mit Amerika

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Dass es den Deutschen heute im Großen und Ganzen so gut geht, hat mit drei historischen Weichenstellungen zu tun: 1949 für die soziale Marktwirtschaft, 1957 für das vereinigte Europa und 1990 für die Wiedervereinigung. Im Juni 2013 startet, wenn es gut läuft, ein Projekt von ähnlichem Kaliber: Man plant die transatlantische Freihandelszone!

Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten von Amerika, mit mehr als 800 Millionen Bürgern und aktuell gut der Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung, wollen nichts weniger als das Ende sämtlicher Handelsschranken verabreden. Und zwar erklärtermaßen „mit einer Tankfüllung“, in einem kurzen und konzentrierten Verhandlungsprozess bis Ende nächsten Jahres.

Allein die deutschen Auto- und Chemiehersteller zahlen jährlich an die 2 Milliarden Euro Zölle auf US-Exporte. Die EU-Kommission rechnet mit 119 Milliarden Euro Wohlstandsgewinn – weil freier Handel frischen Wind in festgefahrene Strukturen bringt. Doch die wahre Bedeutung geht weit über solche Zahlen hinaus.

Gegen den rasanten Aufstieg der meist autoritär regierten Schwellenländer würde der Westen ein Signal der Einigkeit und des Gestaltungswillens setzen. Vergessen wir nicht: Wenn unsere Kinder so alt sind wir wir jetzt, produziert China voraussichtlich mehr als Europa und Amerika zusammengenommen.

Auch wenn zunächst Gezänk, etwa um den sensiblen Bereich der Lebensmittel, die Schlagzeilen prägen dürfte: Es geht um etwas Großes, letztlich um unser Gewicht in der globalisierten Welt. Weil die Regierungen das offenbar erkannt haben, könnte es am Ende erstaunlich schnell gehen. Wie so oft bei historischen Zäsuren.


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