Infrastruktur

Freie Bahn für den Wohlstand


Bis zu 300 Stundenkilometer: Deutschlands schnellste ICE-Verbindung zwischen Köln und Frankfurt hat nachweislich die Produktivität einer Region gesteigert. Foto: dpa

Neue Studie verdeutlicht: Hochgeschwindigkeitsstrecken beschleunigen auch das Wachstum

Am Tag des Tunneldurchbruchs feiert das ganze Land. Vergessen scheint die 25-jährige Bauzeit. Und der mit 10 Milliarden Euro weit überschrittene Kostenplan. Der Wirbel um vier Volksabstimmungen, die am Ende doch immer eine Mehrheit für das Mammutvorhaben brachten.

Dies ist kein Blick in die Zukunft des umstrittenen Bahn-Projekts „Stuttgart 21“. Es ist die Gegenwart: in der Schweiz. Am 15. Oktober war Durchbruch beim neuen Gotthard-Eisenbahntunnel. Ab dem Jahr 2017 werden dort die Züge rasen, mit bis zu 250 Stundenkilometern.

Die Strecke wird auch das Wirtschaftswachstum der Region beschleunigen. Ein scheinbar simpler Zusammenhang – der soeben bei einem anderen, bereits abgeschlossenen Großprojekt wissenschaftlich belegt wurde.

„Der Nutzen von Hochgeschwindigkeitsstrecken geht weit über die eingesparte Reisezeit hinaus“, sagt Gabriel Ahlfeldt, Wirtschaftsgeograf der London School of Economics. Er hat untersucht, wie sich die Kleinstädte Limburg und Montabaur seit 2002 entwickelt haben – also seit der ICE auf der Strecke Köln-Frankfurt dort Station macht.

Dauerhaft mehr Beschäftigung

Das Fazit: Im Vergleich zu ähnlichen Städten ohne ICE-Anschluss lag das Wirtschaftswachstum über den gesamten Zeitraum um rund 3 Prozentpunkte höher. Auch Beschäftigung und Einwohnerzahl sind dank der besseren Anbindung überdurchschnittlich angestiegen. Zwar seien die beiden ICE-Bahnhöfe und „Stuttgart 21“ nicht direkt vergleichbar, so Ahlfeldt. Eine wichtige Botschaft der Studie sei aber: „Man darf die Diskussion nicht auf die Einsparung der Reisezeit verengen.“

Eine Ansicht, die offensichtlich auch in der Schweiz geteilt wird. Zwar wird Zürich durch den neuen Tunnel eine Eisenbahnstunde näher an Mailand heranrücken. Doch Renzo Simoni, Chef des Bauträgers Alptransit, ist etwas anderes wichtiger: „Wir zeigen damit, dass in der Schweiz etwas geht. Wir machen etwas für Europa und für eine nachhaltige Verkehrspolitik.“

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