Fachkräfte

Frauen-Power in der M+E-Industrie


Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Frankfurt. Man darf die Perspektive nicht verlieren, auch nicht in einer Krise. Denn nach jedem Abschwung geht’s wieder bergauf. Für die Industrie bedeutet das, alles zu unternehmen, um die qualifizierten Mitarbeiter halten zu können und rechtzeitig die Weichen zu stellen, um dem durch die demografische Entwicklung drohenden Facharbeitermangel zu begegnen. Welche Bedeutung dabei zukünftig Frauen haben werden, zeigte sich beim 20. Hessenforum in Frankfurt.

Junge Generation will beides

„Der Wettbewerb um die klugen Köpfe wird kommen und gewinnen kann nur, wer Frauen und Männern mit Kindern die besten Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten kann“, so Professorin Jutta Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) und Vizepräsidentin der Fachhochschule Ludwigshafen. Denn die jüngere Generation will beides: Kinder und eine qualifizierte Beschäftigung.

Der Erfolg der hessischen M+E-Industrie (rund 230.000 Beschäftigte, etwa 55 Milliarden Euro Umsatz) entscheidet sich bei einer Exportquote von durchschnittlich 50 Prozent immer mehr auf dem Weltmarkt. Da sind qualifizierte Mitarbeiter mit pfiffigen Ideen gefragt – auf allen Stufen, in allen Bereichen.

Im Vergleich zu Gastgewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht ist der Anteil an Frauen in Führungspositionen in der M+E-Industrie mit 15 Prozent ziemlich niedrig.

Der Hessenmetall-Vorsitzende Dieter Weidemann sieht deshalb für die Branche gute Chancen, sich den wachsenden Anteil  gut  ausgebildeter  Frauen zu sichern: „Unsere Industrie kann es sich gar nicht leisten, auf das Potenzial der Frauen in technischen Berufen und auf den speziellen Talentpool Ingenieurinnen zu verzichten.“

Um Frauen Mut zu machen, ihr Glück auch in der Technik zu suchen, sind, so Rump, vor allem weibliche Vorbilder gefragt, die Familie und Führungsposition erfolgreich unter einen Hut bringen, so wie die hier Vorgestellten: Dagmar Bollin-Flade, Anja Kleyboldt und Simone Weinmann-Mang.

Anja Kleyboldt „Ich liebe Technik“

Anja Kleyboldt ist verheiratet, Mutter, Diplom-Ingenieurin und Fertigungsleiterin bei Opel in Rüsselsheim. „Ich liebe Technik!“

Das ist ihre einfache Antwort auf die Frage, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist. Lehrstelle zur Kfz-Mechanikerin, danach folgte ein Maschinenbau-Studium in Emden.

Seit 1995 arbeitet sie bei Opel in Rüsselsheim und ist heute Fertigungsleiterin für Fertig- und Endmontage und für das Komponentenwerk in Rüsselsheim verantwortlich. Anfangs traf sie auf viele Widerstände, zumal sie auch noch Arbeitsabläufe optimieren sollte: „Da gab es große Vorbehalte, erst recht bei den Männern, für die die Frau eine andere Stellung im Leben hat.“

Doch sie boxte sich durch. Ihr größter Wunsch heute: „Wir brauchen mehr Ganztagsschulen – damit jede Frau die Chance hat, ihren Traum zu leben.“

Dagmar Bollin-Flade „Warum bekommen Jungs den Baukasten?“

Seit 1985 ist Dagmar Bollin-Flade geschäftsführende Gesellschafterin der Christian Bollin Armaturenfabrik GmbH, einem weltweit führenden Armaturen-Hersteller.

Vor Technik hatte sie nie Angst. Sie studierte Maschinenbau an der TU Darmstadt und übernahm nach einer Station bei der Siemens KWU Offenbach das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Mann, den sie im Studium kennenlernte. Sie haben zwei erwachsene Söhne.

Seit Jahren setzt sie sich für eine stärkere Förderung von Frauen in der M+E-Industrie ein. Als größte Hemmnisse wirken für sie dabei bis heute überlieferte Rollenverständnisse: „Auch 2009 bekommen Mädchen Puppen geschenkt und die Jungs den Baukasten“, bedauert die Ingenieurin. „Wenn hier alle offener wären, wäre schon viel gewonnen.“

Bei der zögerlichen Haltung der Industrie, die Teilzeitbeschäftigung in vollem Umfang auszuschöpfen, „mussten dicke Bretter gebohrt werden, bis die Akzeptanz groß genug war“, weiß sie aus ihrer Arbeit in verschiedenen Gremien. „Mittlerweile gibt es gute Lösungen.“

Simone Weinmann-Mang „Mut und Selbstvertrauen“

Eigentlich wollte sie Ärztin werden. Doch der Vater stellte sie vor die Entscheidung, ins alteingesessene Familienunternehmen Arno Arnold einzusteigen oder zu verkaufen. Sie wählte die Tradition, studierte Jura und ist seit 1984 geschäftsführende Gesellschafterin der Arno Arnold GmbH. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat sie das Unternehmen, das Faltenbälge entwickelt und produziert, zu einem weltweit gefragten Zulieferer des Maschinenbaus geführt.

Bei der Erziehung ihrer beiden Kinder achtete sie darauf, nicht in Rollenklischees zu verfallen. „Es ist unsere Aufgabe, Kindern das nötige Selbstvertrauen mitzugeben, damit sie alles schaffen können, was sie sich wünschen – egal ob Junge oder Mädchen.“

Für Weinmann-Mang ist der faire Wettbewerb zwischen Jungen und Mädchen Voraussetzung, um Frauen den Zugang zu einer Karriere als Führungskraft zu öffnen: „Dazu gehört erstens eine gute Ausbildung, zweitens der Wille zur Karriere, drittens ein guter Umgang mit Menschen und Kommunikationsfähigkeit, viertens eine Vision und der Mut sie umzusetzen und letztlich, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun.“

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