Tristesse bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner

Frankreich zeigt, wohin schlechte Wirtschaftspolitik führt

Trübes Bild: Mit Reformen und Sparen will die Regierung in Paris die Misere beenden. Foto: Getty

Paris/Berlin. Einst wurde Deutschland als kranker Mann Europas verspottet. Nun trifft die Häme Frankreich: Die „Bild“-Zeitung taufte neulich das Land in „Krankreich“ um.

Nicht zuletzt dank der Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ sind wir mittlerweile zur Wachstumslokomotive geworden. Der Gesundheitszustand von Frankreich, unserem größten Handelspartner, hat sich dagegen stark verschlechtert: Die Industrie schwächelt, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, der Staat ist hoch verschuldet.

AKTIV vergleicht die beiden größten Volkswirtschaften in Europa.

Industrie:

Frankreichs Industrie trägt nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat nur noch 10 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Grande Nation bei. Vor drei Jahrzehnten war der Anteil doppelt so hoch. Deutschland liegt aktuell auch da noch drüber – mit 22 Prozent. Umgekehrt hat die weniger produktive Staatswirtschaft in Frankreich eine viel größere Bedeutung: Etwa jeder vierte Beschäftigte ist im öffentlichen Dienst angestellt; in Deutschland ist es nicht einmal jeder siebte.

Wettbewerbsfähigkeit:

Deutsche Produkte sind im Ausland stärker gefragt als französische. Das zeigt die Exportquote, also der Anteil der Warenausfuhr an der gesamten Wirtschaftsleistung: Deutschland übertrifft mit 43 Prozent Frankreich bei weitem. Mit 21 Prozent liegt der Nachbar auch deutlich unter dem EU-Schnitt von einem Drittel.

Wirtschaftswachstum:

Der Rückstand in Sachen Wettbewerbsfähigkeit schlägt sich auf die Konjunktur nieder. Die Industriestaaten-Organisation OECD sagt voraus, dass Frankreichs Wirtschaft in diesem Jahr nur um 0,4 Prozent wächst und 2015 um 1 Prozent. Für Deutschland sieht die Prognose viel besser aus: in beiden Jahren jeweils ein Plus von 1,5 Prozent.

Arbeitsmarkt:

Frankreich leidet an der Wachstumsschwäche und einem unflexiblen Arbeitsmarkt – mit einer vom Staat für alle Branchen verordneten 35-Stunden-Woche. Die Arbeitslosenquote verharrt seit gut einem Jahr bei 10 Prozent. In Deutschland sind es aktuell nach internationaler Berechnung gerade einmal gut 5 Prozent.

Staatsverschuldung:

Der Schuldenberg Frankreichs wächst und wächst. Bis 2015 rechnet die EU-Kommission mit einem Anstieg auf 97 Prozent der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Erlaubt sind laut EU-Vertrag nur 60 Prozent. Auch Deutschland reißt die Latte. Aber immerhin verringern sich langsam die Miesen: von 83 Prozent 2010 auf voraussichtlich 76 Prozent 2015.


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