Wechselkurse

Foul!


So ruppig wie auf manchem Fußballplatz läuft es momentan auch in der Weltwirtschaft

Köln. Eigentlich wären jetzt ein paar Rote Karten fällig. Aber das weltweite Spiel der Währungen hat keinen Schiri. Stattdessen treffen sich am 11. November die 20 wichtigsten Mannschaftskapitäne, um über die Regeln zu reden. Dabei geht es indirekt auch um die Zukunft des Wohlstands in  Deutschland.

Die „Beeinflussung der Wechselkurse“, mahnt Kanz­lerin Angela Merkel vor dem G20-Gipfel in Seoul (Südkorea), ist „die vielleicht größte Gefahr für eine nachhaltige, wirtschaftlich positive Entwicklung“.

Aus Sorge um die eigene Wirtschaft drücken wichtige Handelsmächte wie China, die USA und Brasilien ihre Währung runter – die rüden Methoden erklärt AKTIV auf dieser Seite. Das Kalkül: Je billiger unser Geld im Ausland, desto billiger sind unsere Betriebe im Vergleich zu ausländischen Konkurrenten.

Auf Kosten der Nachbarn

Solche Alleingänge heißen unter Ökonomen „Beggar thy neighbour“ – mach deinen Nachbarn arm. Der Begriff verrät schon, warum das nicht lange klappt: Der Nachbar lässt es sich nicht gefallen!

Das zeigte sich besonders deutlich ab 1930: Nachdem sich die Wechselkurs-Fouls häuften und überdies viele Staaten immer höhere Zollmauern bauten, brach der Welthandel fast komplett zusammen. Vor dem Hintergrund dieser historischen Erfahrung ist auch die deutsche Wirtschaft beunruhigt.

„Wer schneller seine Währung nach unten bringt, macht die anderen schneller arm – und am Ende sind alle arm“, sagt Anton Börner, Präsident des Außen- und Großhandelsverbandes BGA. Und sein Amtskollege Hans Heinrich Driftmann vom Wirt­schaftsdach­verband DIHK fürchtet: „Das Spiel mit den Wechselkursen birgt die Gefahr von Gegenreaktionen.“

Euro-Land spielt bislang fair. Die Europäische Zentralbank darf allein die Preisstabilität im Auge haben – das hat man beim Start der Währungsunion so vereinbart. Deshalb sieht sie tatenlos zu, wie etwa die US-Notenbank Fed ohne Ende Geld in den Markt pumpt, um so die Zinsen und indirekt den Dollar-Kurs zu drücken. Die Fed hat dabei das Wachstum im Auge. US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, Amerikas Exporte innerhalb von nur fünf Jahren zu verdoppeln.

Obama begründet seinen Offensivdrang mit der Not der Arbeitslosen – genauso wie Wen Jiabao, der Ministerpräsident Chinas. Der weiß zwar, dass der politisch festgezurrte Renminbi viel zu billig ist. An einer schnellen Korrektur um rund ein Drittel, die nach Ansicht von Experten fällig wäre, hat Jiabao aber kein Interesse: „Dann wissen wir nicht, wie viele Firmen bankrott gehen und wie viele Arbeiter in ihre Dörfer zurückgehen müssen.“

Fixe Kurse sind keine Lösung

Viele andere Staaten keilen inzwischen zurück oder haben das zumindest angekündigt. Ob Brasilien, Indien, Japan oder Thailand – alle wollen ihre Währung schwächen. „Die ganze Welt sieht, dass wir beim G20-Gipfel über eine Lösung diskutieren müssen“, sagt Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

Aber mit welchem Ergebnis? Einfach Wechselkurse vorzugeben, das haben die Führer der Welt im letzten Jahrhundert mehrfach versucht. Auf Dauer ging das immer schief, weil sich Volkswirtschaften eben unterschiedlich entwickeln. Es sei „extrem wichtig“, folgert Europas Zentralbankchef Jean-Claude Trichet, dass sich zumindest die Kurse der großen Währungen frei am Markt bilden können.

Das werden in Seoul gewiss nicht alle unterschreiben. Aber vielleicht einigt man sich ja wenigstens darauf, in Zukunft die besonders fiesen Fouls zu unterlassen.

Absichern wie beim Freistoß

So schützen sich Betriebe vor schwankenden Wechselkursen

Seit Juli hat der Dollar ein Achtel seines Euro-Wertes verloren. Das verschlechtert die Position unserer Betriebe im globalen Wettbewerb. Und es kann bei alten Aufträgen Verluste bringen: Wenn zum Beispiel ein US-Kunde die Rechnung über 50.000 Dollar für eine vor Monaten erteilte Order jetzt bezahlt, bringt das eben weniger Euro aufs Firmenkonto als gedacht.

Doch dagegen kann man sich absichern – im Finanzjargon heißt das „Hedging“. Simpelste Methode ist die „Put-Option“: Der Betrieb kauft bei einer Bank das Recht, die 50.000 Dollar zu einem bestimmten Kurs abzugeben. Steigt der Dollar bis zum Stichtag, lässt der Betrieb die Option einfach verfallen und tauscht zum normalen Kurs um. Die Kosten so einer Option hängen unter anderem von der Laufzeit ab. Mit den oft als „Heuschrecken“ geschmähten „Hedge-Fonds“ hat das alles übrigens nichts zu tun.

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