Forschung

Fossilien für die Ewigkeit


Chemie macht Sensationsfunde aus dem Unesco Weltnaturerbe Grube Messel haltbar

Darmstadt. Durstig trabt die trächtige Stute zum See, neigt den Kopf, trinkt gierig. Leichtsinnig wagt sie sich vor und stürzt die steile Böschung hinab ins Wasser. Den Weg ans rettende Ufer schafft sie nicht mehr: Entkräftet gibt sie auf und versinkt am Grunde des Sees im Faulschlamm.

Natur als Vorbild – in Harz konserviert

47 Millionen Jahre später finden Forscher das Tier samt Fötus versteinert im See des Weltnaturerbes Grube Messel bei Darmstadt. „So ähnlich könnte das damals mit dem Urpferdchen tatsächlich gewesen sein“, sagt Geografin Susanne Kiermayr-Bühn. Täglich führt sie Besucher durch den einstigen Vulkansee. Sensationelle Funde haben die Wissenschaftler hier gemacht: vier Meter lange Krokodile, Schlammfische, Vögel, Pflanzen, Insekten, Schuppentiere und sogar einen Ameisenbären. Alle eingebettet in Ölschiefer, einem sehr wasserhaltigen Gestein. „Die Fossilien zerfallen an der Luft fast umgehend“, warnt die Expertin.

Zum Glück gibt es chemische Methoden, um die uralten Fundstücke haltbar zu machen: Man bettet sie in Kunstharz (Epoxid) ein. Den Klebstoff mit der hohen Bindekraft gewinnt man in einem komplizierten Verfahren aus Erdöl. Getrocknet ist die klare gelbliche Masse extrem wasserfest. „Wir kennen das Prinzip schon vom Bernstein“, erklärt Paul Joseph Nauth, Geschäftsführer der Klebstoffwerke Collodin in Frankfurt. „Die Natur konserviert in Baumharz Mücken, Schmetterlinge und Blätter über Jahrmillionen.“

Pflanzen und Insekten lagern in Glyzerin

In der Werkstatt geht das so: Zunächst befreien die Präparatoren den Fund – zum Beispiel einen versteinerten Fisch – von einer Seite vorsichtig vom Ölschiefer. Auf das angetrocknete Fossil tragen sie nun in mehreren dünnen Schichten Kunstharz auf. Die Knochen und Weichteile trocknen langsam aus, und das Harz dringt ein. Sobald eine Seite fertig ist, kommt die zweite Seite dran. Anderenfalls würde der Ölschiefer beim Trocknen bröseln und das Fossil in tausend Stücke reißen. Kiermayr-Bühn: „Sobald das Harz ausgehärtet ist, lässt sich der versiegelte Fisch über viele Jahre lagern.“ Pflanzen und Insekten präpariert man nur einseitig und lagert sie dann in Glyzerin: „Ohne die Chemie könnten wir die wertvollen Stücke nicht erhalten“, so die Geografin.

Von den prächtigen Fossilien kann man in der Grube selbst allerdings nur wenige bewundern. Die Funde sind aber derzeit nicht weit entfernt im Senckenbergmuseum in Frankfurt und im Fossilienmuseum in Messel zu sehen. Ein gut gemachter Film informiert über die Urzeit und die Sensationsfunde.

Info: Die Grube Messel

Die Fossilienlagerstätte Grube Messel zeigt den Lebensraum vor 47 Millionen Jahren. Dinosaurier waren bereits ausgestorben, Säugetiere eroberten die Welt. Fast wäre alles unter Müllbergen versunken: Bis 1970 gewann man hier Öl aus Ölschiefer. Anschließend sollte der See als Abfallgrube dienen. Das verhinderten engagierte Bürger und seit 1995 gehört die Grube zu den Weltnaturerbe-Denkmälern der Unesco.

Tipp: Die Wanderausstellung „Messel on Tour“ kommt 2009 auch nach Stuttgart und Münster.

Infos: www.grube-messel.de, www.senckenberg.de und www.hlmd.de

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