Kautschuk-Industrie

Fortschritt ist auch Frauensache!


Diese drei klugen Köpfe tüfteln an der Zukunft unserer Branche

Hannover. Vor 100 Jahren geschah eine Sensation: Eine Frau, die Professorin Marie Curie, bekam den Nobelpreis für Chemie. Mitglied in der französischen Akademie der Wissenschaft durfte sie deshalb noch lange nicht werden. Das war eine Männerdomäne.

„Die Zeiten haben sich zum Glück geändert“, sagt Professor Ulrich Giese vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) in Hannover. „Bei uns hält sich das Verhältnis von Frauen und Männern fast die Waage.“

AKTIV hat in den Labors und im neuen Technikum des Instituts drei Doktorandinnen über die Schulter geschaut.

„Das ist Mamas Bohrmaschine“

Wie schnell Dichtungen altern, wann Schläuche porös werden: Um so etwas herauszufinden, spannt Corinna Schwarzendahl (30) ein simples Gummiband zwischen ihren Händen und zieht – bis es reißt. „Ältere reißen früher als Jüngere“, erklärt sie. „Deshalb ist es für Auto-Hersteller enorm wichtig, das Alterungsverhalten der Kautschukprodukte zu kennen.

Schwarzendahl arbeitet in der Analytik. „Hier gibt es faszinierende Projekte.“ War der Weg zu den Naturwissenschaften vom Elternhaus geprägt? Eigentlich nicht: Der Vater ist Philosoph, die Mutter Mathelehrerin. „Die Technik-Begeisterung kam eher von meiner Mutter“, erzählt sie. Wir sagten immer: „Das ist Mamas Bohrmaschine.“

Laut Statistik sind zwar die Studienanfänger im Fach Chemie zu 47 Prozent weiblich. Doch später gelingt es nicht, die hohe Frauenbeteiligung zu halten. Dabei brauchen die Betriebe künftig mehr hochqualifizierte Mitarbeiter und können auf Frauen nicht verzichten. Deshalb hat Ulrike Wangenheim (29) einen späteren Job beim Reifenhersteller Continental bereits sicher.

Sie hat schon als Kind gern geforscht: „Ich wollte wissen, warum die Farbe meines Orangensafts sich verändert, wenn ich darin Gummibärchen schwimmen ließ.“

„Wir haben hier optimale Bedingungen“

Heute forscht sie an neuen Materialien. Sie stellt Fasern her, die rund 1.000-mal dünner sind als ein menschliches Haar. „Die lassen sich nur durch das Elektronenmikroskop sehen.“ Im Kautschuk integriert, erhöhen sie die Festigkeit. Und senken zugleich das Gewicht. „Leichtbau ist vor allem im Automobilbau der Zukunft ein Megathema“, sagt Wangenheim. Ab Januar ist sie in der Entwicklungsabteilung für Lkw-Reifen bei Conti beschäftigt.

Den Weg in die Wirtschaft möchte auch Heike Zimmermann (27) nach ihrer Promotion gehen. Sie hat nicht Chemie studiert, sondern Maschinenbau – eine klassische Männerdomäne: „Unter den 240 Studenten waren weniger als 10 Frauen.“

Ihr Arbeitsplatz ist nicht im Labor, sondern im neuen Technikum des DIK. Es ist groß und hell, Tageslicht durchflutet die Halle. Erst vor wenigen Tagen haben es der niedersächsische Wirtschaftsminister und Hannovers Oberbürgermeister eingeweiht (siehe Bericht und Kommentar unten). „Wir haben hier optimale Bedingungen“, schwärmt Zimmermann.

Sie forscht nach einer Verarbeitungstechnik, um dem Kautschuk winzige Kohlenstoff-Röhrchen als Füllstoff  beizumischen. „Wir nennen sie Carbon Nanotubes. Sie sind sehr stabil und leicht. Und sie leiten Strom.“ So wird der Schlauch im Auto zum Blitzableiter.

Noch unterrepräsentiert

Die Frauen rücken beim Kampf um knappe Fachkräfte stärker in den Fokus der Branche. Derzeit sind weniger als ein Fünftel der Mitarbeiter weiblich, in der Produktion und in der Forschung sogar nur ein Siebtel.

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