Pharma-Industrie

Forscher-Leistungen für ein langes Leben


Sanofi-Aventis, Bayer Schering Pharma, Nanopet: Drei Erfolgsstorys aus der Hauptstadt

Beispiel 1: Sanofi-aventis

Wenn das Herz Purzelbäume schlägt, liegt das nicht immer an der Liebe. Die verschiedenen Formen der Herzrhythmus-Störung sind weit verbreitet. Allein eine Million Deutsche leiden am „Vorhofflimmern“. Eine vor wenigen Wochen zugelassene Arznei macht Hoffnung.

„Der Herzschlag wird aus dem rechten Vorhof gesteuert“, erklärt Professor Dieter Paar, Direktor Medizin von Sanofi-Aventis Deutschland. „Dort erzeugte elektrische Impulse lassen das Herz normalerweise 60- bis 80-mal in der Minute schlagen.“ Beim Vorhofflimmern arbeiten die Herzvorhöfe nicht mehr koordiniert. Die Kammern schlagen unregelmäßig und zu oft, über 100-mal pro Minute.

Getestet in 37 Ländern

Schwäche, Schwindel, sogar Bewusstlosigkeit können sich einstellen, das Herz wird schwächer, Schlaganfälle drohen. „Behandelt wird, indem  zum Beispiel mit Medikamenten das elektrische Signal harmonisiert wird“, erklärt Paar. „Und das mit weniger Nebenwirkungen als bisher.“

Der neue Wirkstoff verbessert die Arbeit des Herzens und die Lebensqualität: Eine Studie mit über 7.000 Patienten in 37 Ländern zeigte den Rückgang von Klinik-Einweisungen und Sterblichkeit um ein Viertel. Auch Schlaganfälle wurden reduziert.

Die in Berlin ansässige Vertriebszentrale für den deutschen Markt hat 1.500 Mitarbeiter. Sie koordinierte und überwachte die Studie in Deutschland. In ihrem Aufgabenbereich liegt auch die Einführung des Medikaments hierzulande sowie die Aufklärung der Ärzte über seine richtige Anwendung. Jetzt gilt es, die Erfahrung aus der Praxis auszuwerten und sicherzustellen, dass die Arznei zielgenau eingesetzt wird.

Beispiel 2: Bayer Schering Pharma

Damit Alzheimer erkannt wird

Bei Bayer Schering Pharma in Berlin (4.500 Mitarbeiter am Standort) arbeiten Wissenschaftler daran, in Köpfe zu schauen. Ziel: die Früherkennung von Alzheimertypischen Ablagerungen. Als Hinweis auf die tückische Krankheit, die meist im Alter auftritt und nach und nach die Leistungsfähigkeit des Gehirns schmälert.

„Jahre vor den ersten Symptomen bilden sich im Gehirn der Betroffenen Plaques mit Eiweiß-Ansammlungen“, berichtet Kerstin Crusius, Sprecherin des Unternehmens.

Der Schlüssel muss passen

Bayer Schering Pharma hat ein Molekül gefunden, das sich ausschließlich an diese Plaques bindet. „Es passt wie ein Schlüssel ins Schloss“, so Crusius. Für den Plaque-Test, der sich noch in der Entwicklung („Phase III“) befindet, wird das Molekül mit einer schwach radioaktiven, unbedenklichen Substanz markiert. Wenn der Kopf des Patienten dann im PET gescannt wird, also in einem Po­sitronen-Emissions-Tomografen, zeigen sich die Plaques. Sie können auf Alzheimer im Frühstadium deuten – was durch zusätzliche kognitive Tests abgeklärt wird.

„Heilbar ist die Krankheit noch nicht, aber man kann sie durch frühe Behandlung hinauszögern“, beschreibt Crusius den praktischen Nutzen des Tests.

Mit Hilfe anderer Moleküle ist das PET-Verfahren womöglich auch zur Früherkennung von Krebs tauglich.

Beispiel 3: Nanopet

Damit Medikamente wirklich wirken

Bevor Medikamente beim Menschen getestet werden, schreibt der Gesetzgeber Untersuchungen am Tier vor. So soll im Vorfeld aussortiert werden, was nicht wirklich wirkt oder gar schadet. Die 2007 gegründete Berliner Firma nanoPET (16 Mitarbeiter) hilft, diese Versuche zu optimieren.

Im Büro von Geschäftsführer Andreas Briel hängt die Urkunde für den Tierschutz-Forschungspreis. Kein Wunder: Mit ihrer Arbeit hat die Firma schon etlichen Mäusen und Ratten das Leben gerettet. Oftmals werden die Tiere seziert, um die Wirkungen des Test-Medikaments sichtbar zu machen. Doch nanoPET entwickelt maßgeschneiderte Kontrastmittel für die diagnostische Bildgebung, mit deren Hilfe man die Wirkung am lebenden Tier ermitteln kann.

Verkauft werden sie an Unis und forschende Pharma-Firmen; den weltweiten Vertrieb macht eine Firma aus dem Rheinland.

Vom Tier zum Menschen

Seit Frühjahr dieses Jahres sind die Kontrastmittel im Angebot – zunächst 21, mittelfristig sollen es 60 sein. Die Gewinne aus der Produktion fließen gleich wieder in Forschung und Entwicklung.

Das Unternehmen arbeitet mittlerweile auch an Kontrastmitteln für das PET- Verfahren, die entzündete Bereiche oder Tumore im Menschen sichtbar machen. Es wäre eine Weltneuheit: Die Mittel beruhen auf der Nutzung sogenannter anorganischer Nano-Partikel.

 

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