Technik wie beim selbstfahrenden Auto

Forscher der Ruhr-Uni helfen Blinden, sich besser zu orientieren – mit Radar

Bochumer Wissenschaftler arbeiten an einem System, das die Umgebung per Radartechnologie abscannt und in ein akustisches Bild „übersetzt“ – in verschiedene Töne und Frequenzen. Stark Sehbehinderte können sich so besser orientieren.

Hightech statt Blindenstock: Wissenschaftler im Revier tüfteln daran. Foto: Mauritius

Hightech statt Blindenstock: Wissenschaftler im Revier tüfteln daran. Foto: Mauritius

Bochum. Die Welt wahrnehmen wie eine Fledermaus – das sollen Blinde und stark Sehbehinderte in Zukunft können. Hightech „made in Nordrhein-Westfalen“ soll’s möglich machen.

An der Ruhr-Uni in Bochum arbeiten Wissenschaftler an einer Technologie, die Menschen mit solchem Handicap eine bessere Orientierung ermöglicht. Spezielle Sensoren an Kopf oder Körper erfassen dabei die Umgebung – durch Radar.

Der Clou: Das Sensorsystem scannt die Umgebung per Radartechnologie ab und „übersetzt“ sie in ein akustisches Bild – in verschiedene Töne und Frequenzen. Der Nutzer erkennt so Hindernisse und kann deren Entfernung richtig einschätzen.

„Die Technik funktioniert im Prinzip wie beim autonomen Autofahren, auch bei schlechten Sichtverhältnissen und bei Regen“, sagt Professor Nils Pohl vom Lehrstuhl für Integrierte Systeme der Ruhr-Universität. Europäische Union und das Land NRW fördern das Vorhaben über drei Jahre mit insgesamt 1,8 Millionen Euro.

Innovation wird Chancen am Job-Markt deutlich erhöhen

Die Innovation aus dem Ruhrgebiet wird Menschen mit großem Seh-Handicap zu einem würdigeren Leben verhelfen. Und außerdem deren Chancen am Arbeitsmarkt verbessern.

Nach jetzt veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit NRW gingen Ende 2014 landesweit insgesamt 238.000 schwerbehinderte Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das waren rund 6.600 oder knapp 3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Etwa jeder zehnte Einwohner in Nordrhein-Westfalen ist schwerbehindert. Bei 4 Prozent der Betroffenen ist das Handicap angeboren. Arbeitsunfälle sowie Berufskrankheiten sind zu 0,9 Prozent der Grund für eine schwere Behinderung.


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