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Energiewirtschaft

Flüssigerdgas ist im Kommen – nun soll in Norddeutschland ein LNG-Terminal gebaut werden

Experten sehen in LNG den Treibstoff der Zukunft – vor allem, wenn es um den Antrieb von Schiffen geht. Bislang allerdings gibt es kein größeres Terminal in den deutschen Küstenstädten. Das soll sich jetzt ändern.

Premiere in Papenburg: Die Meyer Werft baute mit der „Aida Nova“ das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das mit flüssigem Erdgas fährt. Foto: Meyer Werft/Wessels

Premiere in Papenburg: Die Meyer Werft baute mit der „Aida Nova“ das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das mit flüssigem Erdgas fährt. Foto: Meyer Werft/Wessels

Geplanter Standort: Das norddeutsche LNG-Terminal soll im Elbhafen von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) am westlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals entstehen. Foto: Brunsbüttel Ports

Geplanter Standort: Das norddeutsche LNG-Terminal soll im Elbhafen von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) am westlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals entstehen. Foto: Brunsbüttel Ports

Sauberer Kraftstoff: Ein amerikanischer UPS-Fahrer befüllt den Tank seines Paket-Lieferwagens mit LNG. Foto: Corbis / Getty Images

Sauberer Kraftstoff: Ein amerikanischer UPS-Fahrer befüllt den Tank seines Paket-Lieferwagens mit LNG. Foto: Corbis / Getty Images

LNG-Tanker in Rotterdam: Bisher ist der Transport von flüssigem Erdgas nach und in Deutschland relativ umständlich, das LNG kommt meist per Binnenschiff oder Lkw. Foto: picture alliance / dpa

LNG-Tanker in Rotterdam: Bisher ist der Transport von flüssigem Erdgas nach und in Deutschland relativ umständlich, das LNG kommt meist per Binnenschiff oder Lkw. Foto: picture alliance / dpa

An der Elbmündung am westlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals gehen in Zukunft riesige Tanker vor Anker, rund 300 Meter lang und 30 Meter hoch, mit denen ein wertvoller Energieträger von Übersee nach Deutschland gebracht wird: verflüssigtes Erdgas, in der Fachsprache „Liquefied Natural Gas“ oder kurz LNG. Die Schiffe pumpen es in Brunsbüttel in einen Tank, damit daraus wieder Gas entsteht, das anschließend ins bundesweite Leitungsnetz eingespeist werden kann.

Das jedenfalls ist der Plan des in Hamburg ansässigen Unternehmens German LNG Terminal. Fast eine halbe Milliarde Euro, so der aktuelle Plan, will man in das Projekt investieren.

German LNG Terminal ist ein Joint Venture, dem zwei Terminalbetreiber und der niederländische Energiekonzern Gasunie angehören. Gas- unie zählt in seinem Bereich zu den großen Playern, das Unternehmen betreibt rund 16.000 Kilometer Gasleitungen vor allem in den Niederlanden und Deutschland.

Auch politische Aspekte spielen eine Rolle

Das Vorhaben wird auch deshalb mit großem Interesse beobachtet, weil es helfen könnte, eine heikle politische Abhängigkeit zu reduzieren: Über das Terminal könnte Deutschland nämlich endlich auch direkt Erdgas aus den USA einführen.

Deren Präsident Donald Trump wirft uns ja lautstark vor, wir seien zu stark von Gas aus Russland abhängig. Und kritisiert deshalb die im Bau befindliche zusätzliche Pipeline „Nord Stream 2“ quer durch die Ostsee.

Bundes- und Landespolitiker unterstützen das Projekt des LNG-Terminals. Der ökonomische Anstoß dafür kommt allerdings nicht aus den aktuellen Streitereien über Importe, sondern aus einer ganz anderen Richtung: verschärfte internationale Vorschriften für den Schadstoff-Ausstoß von Handels- und Passagierschiffen.

Flüssiggas als Mittel gegen Luftverschmutzung durch Schiffe

Wenn die statt mit Schweröl mit Flüssig-Erdgas fahren, stoßen sie viel weniger Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide aus. Zwar kann auch Abgasreinigung helfen, doch die ist teuer und aufwendig. Immer mehr Reeder setzen daher am Kernproblem an: Neue Schiffe erhalten oft Motoren, die auch mit LNG laufen können. Jüngstes Beispiel ist die „Aida Nova“, die von der Papenburger Meyer Werft gebaut wurde.

Gegenwärtig fahren rund 125 LNG-fähige Pötte über die Weltmeere, in zwei Jahren werden es einer Prognose des Schiffs-Tüvs DNV GL zufolge doppelt so viele sein. Schon allein deshalb muss der Treibstoff künftig in Deutschland verfügbar sein.

Der geplante Standort Brunsbüttel sei „ganz gut gewählt“, urteilt Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Trendresearch: „Bei Brunsbüttel mündet der Nord-Ostsee-Kanal in die Elbe, und Hamburg ist nicht weit. Gut gelegen also, um LNG an Schiffe zu verkaufen, die in der Ostsee künftig nicht mehr mit Schweröl fahren dürfen.“

Der Markt für LNG befindet sich im Umbruch

Aber das Terminal hat eben noch einen weiteren Zweck: Es soll auch ins Erdgas-Netz einspeisen. Auf diesem Weg könnte US-Erdgas deutsche Haushalte direkt versorgen – was Präsident Trump durchaus im Hinterkopf hat, wenn er sich öffentlich über Nord Stream 2 aufregt.

Die USA sind heute weltgrößter Gasproduzent – durch die Technik des Fracking, bei dem man mithilfe von Druck, Wasser und Chemikalien das Gas aus Schiefergestein presst.


Weil ja ein Export nach Übersee per Pipeline technisch nicht möglich ist, drängen die Amerikaner seit zwei Jahren in den wachsenden Markt für LNG; neben Asien möchten sie nun auch europäische Länder beliefern. Über das Terminal in Brunsbüttel ließen sich 8 bis 9 Prozent des deutschen Erdgas-Bedarfs decken. Zum Vergleich: 40 Prozent kommen derzeit per Pipeline aus Russland.

Bisher ist das LNG noch deutlich teurer als Pipeline-Gas. Aber der Markt befindet sich im Umbruch, beobachtet Thomas Schlaak, Energieexperte für Europa bei der Beratungsfirma Deloitte in Hamburg.

Schlaak: „Exportkapazitäten für 140 Millionen Tonnen sind im Bau. Gehen die alle in Betrieb, werden sich die Preise von LNG und Pipeline-Gas ab Anfang der 2020er Jahre verstärkt angleichen.“

Was ist eigentlich LNG?

Die Abkürzung LNG steht für „Liquefied Natural Gas“. Es handelt sich also um verflüssigtes Erdgas. Die Verflüssigung geschieht durch Herunterkühlen auf minus 162 Grad Celsius. Das Volumen reduziert sich dabei auf ein Sechshundertstel des normalen Gases. Vor dem Einleiten ins Gasnetz muss LNG daher in einer speziellen Anlage „regasifiziert“ werden.

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