Schaffen wir das?

Flüchtlinge: Was Ökonomen von Merkels Zuversicht halten

Angela Merkel: Die Kanzlerin steht für die deutsche Willkommenskultur. Foto: ddp images

Berlin. Hat „Mutti“ recht? Schaffen wir das? Das fragen sich viele Mitbürger angesichts der Flüchtlingsströme, die Deutschland täglich erreichen. Trotz kritischer Stimmen bleibt Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Linie. Wer Asyl benötigt, kann Schutz finden – ein Gebot der Menschlichkeit. Und im Grundgesetz verankert.

Ob ein Asylbewerber uns nützt, spielt also keine Rolle. Trotzdem ist es sinnvoll, den Flüchtlingsansturm auch aus ökonomischer Sicht einzuordnen. Drei zentrale Punkte:

Haushalt

Dieses und nächstes Jahr wird der Staat wohl insgesamt 15 Milliarden Euro aufwenden müssen für etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge. Damit rechnen jetzt renommierte Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten für die Regierung („Gemeinschaftsdiagnose“).

Viel Steuergeld also – das aber im Land bleibt und letztlich in die Wirtschaft fließt: für Lebensmittel, Unterkünfte, Sprachkurse und so fort. Auch der Staat selbst nimmt einen Teil davon wieder ein, etwa durch die Mehrwertsteuer.

„Das wirkt ähnlich wie ein Konjunkturprogramm“, sagt daher Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Die Größenordnung des zusätzlichen Wachstums beziffert Fichtner auf 0,25 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Arbeitsmarkt

Insgesamt 380.000 Neuankömmlinge gehen laut Gutachten-Prognose dieses und nächstes Jahr offiziell auf Arbeitssuche. Wegen der schleppenden Bearbeitung der Asylanträge gibt es hier einen Zeitverzug. Zum Glück treffen die Leute auf einen insgesamt robusten Stellenmarkt.

Dennoch wird die Arbeitslosigkeit nach Einschätzung der Institute von 6,4 in diesem Jahr auf 6,5 Prozent 2016 zulegen. Wichtiger Grund: Viele Jobs kommen für die Flüchtlinge gar nicht infrage. Nicht etwa nur wegen mangelnder Sprachkenntnisse: Nach Angabe der Bundesagentur für Arbeit bringen etwa 80 Prozent der Flüchtlinge keine berufliche Qualifikation mit.

Sollte man also an der gesetzlichen Lohnuntergrenze rütteln? Nein, sagt etwa Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall: „Der Mindestlohn gilt selbstverständlich für alle – für die Menschen, die bereits hier sind, und auch für die, die zu uns kommen.“

Demografie

Auf lange Sicht können die Flüchtlinge helfen, den Fachkräftemangel auszugleichen. Dass unsere schrumpfende Bevölkerung dafür auch Zuwanderung benötigt, war ja schon vor der Flüchtlingswelle ein Thema. Laut Bundesagentur für Arbeit ist wohl gut die Hälfte der Flüchtlinge jünger als 25 Jahre: eine Art Jungbrunnen für unsere alternde Gesellschaft.


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