Luftverkehr

Fliegen wird bald öko


Das Bio-Kerosin ist da – Optimisten sehen in ihm den Treibstoff der Zukunft

Stuttgart. Ohne schlechtes Umweltgewissen ab nach Mallorca – demnächst kann das für immer mehr Fluggäste Realität werden.

Bereits jetzt jettet die Lufthansa viermal täglich mit 50 Prozent Biosprit zwischen Hamburg und Frankfurt hin und her – vorerst nur in einem Triebwerk. Mit dem sechsmonatigen Versuch im Linienverkehr erspart man der Umwelt 1.500 Tonnen des Klimagases CO2. Andere Airlines verfolgen  ähnliche  Projekte.

Sicherheitsnormen sind erfüllt

Autofahrer hadern mit E 10 – doch „in der Luftfahrt ist schon die Zahl 50 erreicht“, berichtet Patrick Le Clercq, Experte für alternative Brennstoffe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart. „Flugzeugturbinen vertragen den Bio-Treibstoff. Das zeigen alle bisherigen Versuche.“

Weil das bei Autos eingesetzte Ethanol aus Mais in großer Höhe gefriert, setzt die Lufthansa derzeit vor allem auf das Wiesenkraut Leindotter und die Tropenpflanze Jatropha. Deren Öle erfüllen die scharfen Sicherheitsanforderungen und sind – beigemischt – bereits behördlich zugelassen.

Das Thema ist für die Airlines wichtig, um aus der Defensive zu kommen: Ab Anfang 2012 brauchen sie für den CO2-Ausstoß Emissionsrechte der EU – wie schon seit 2005 viele Industriebetriebe. Zum Teil werden die Rechte zugeteilt, zum Teil müssen sie ersteigert werden. 2 Prozent trägt der Flugverkehr zum globalen CO2-Ausstoß bei. Der Anteil am Klima-Problem ist wegen weiterer Schadstoffe noch höher.

Als Ziel für 2020 haben die Airlines mit der EU 2 Millionen Tonnen Bio-Kerosin verabredet – 3 Prozent ihres heutigen Verbrauchs in Europa. Doch technische Durchbrüche bekommen oft eine Eigendynamik. Beim DLR sieht man deshalb in dieser Selbstverpflichtung nur den Anfang: Für 2030 sei es durchaus denkbar, dass man weltweit fast nur noch mit Biomasse fliegt.

Algen-Farmen in der Wüste?

Um das hinzukriegen, bräuchte man allein für die Passagierflüge eine Ackerfläche von der Größe Belgiens. Wie das geht, ohne die Ernährung zu gefährden – das ist die Frage. Antwort könnten riesige Farmen in Trockengebieten geben, auf denen Jatropha, aber auch hocheffiziente Mikro-Algen wachsen. Joachim Buse, Biosprit-Experte der Lufthansa: „Wir wollen keine Konkurrenz von Tank und Teller.“

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